Die Corona-Pandemie hat im letzten Jahr zu einem Nachfrageeinbruch am Arbeitsmarkt geführt, doch seit Frühjahr 2021 steigt der Bedarf an Fachkräften wieder an, vor allem an Fachkräften mit Master und ähnlichen Qualifikationen. Vielerorts ist der Fachkräftemangel schon wieder auf Vorkrisenniveau.

Mit zunehmender Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland darf also auch mit einem wachsenden Mangel an qualifizierten Fachkräften gerechnet werden. 

Entsprechend gewinnt der unternehmensinterne Transfer von Führungskräften, Spezialisten oder Trainees von außerhalb der EU erneut an Relevanz. Dieser beginnt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit einem Antrag auf die ICT-Karte.

Für welche Mitarbeiter kommt die ICT-Karte infrage?

Führungskräfte sind definiert als Personen in Schlüsselpositionen, die in erster Linie eine Niederlassung, eine Abteilung oder eine Unterabteilung der Firma leiten. 

Als Spezialisten gelten Mitarbeiter, wenn sie über unerlässliche Spezialkenntnisse verfügen, die sowohl einen Tätigkeitsbereich oder ein Verfahren als auch die Verwaltung der Niederlassung betreffen, in der sie eingesetzt werden sollen. 

Trainees sind Hochschulabsolventen, die ein Nachwuchsförderprogramm eines Unternehmens absolvieren, um dadurch Expertise für zukünftige Tätigkeiten innerhalb des Unternehmens oder der Unternehmensgruppe zu gewinnen.

Für welche Dauer eines unternehmensinternen Transfers gilt die ICT-Karte?

Eine ICT-Karte wird für einen Zeitraum von unter 90 Tagen ausgestellt. Eine Mobile-ICT-Karte hingegen kann für einen Aufenthalt von bis zu drei Jahren (für Trainees jedoch maximal für ein Jahr) gültig sein. 

Für beide Karten gelten die gleichen Grundvoraussetzungen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

  • Der Transfer erfolgt in eine Niederlassung desselben Unternehmens oder derselben Unternehmensgruppe.
  • Die Mitarbeiterzugehörigkeit zum Unternehmen bzw. der Unternehmensgruppe muss seit mindestens sechs Monaten bestehen.
  • Der bisherige Arbeitsvertrag muss seine Gültigkeit auch über die Transferzeit hinaus behalten.
  • Sollte der Transfer nicht im Arbeitsvertrag geregelt sein, muss ein Abordnungsschreiben eingereicht werden.
  • Zwischen dem letzten unternehmensinternen Transfer und dem jetzigen müssen mindestens sechs Monate vergangen sein.
  • Die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit muss (in der Regel durch die deutsche Auslandsvertretung oder die Ausländerbehörde) eingeholt werden.

Sollten diese Voraussetzungen erfüllt sein, besteht ein Rechtsanspruch auf die Erteilung der ICT-Karte (gemäß Aufenthaltsgesetz: § 19, § 19a und § 19b AufenthG). 

Wichtig: Vor der Einreise muss in jedem Fall bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung ein Visum eingeholt werden (weitere Informationen dazu erteilt die jeweilige Auslandsvertretung).

Was ist für die Antragstellung zu beachten?

Wenn es sich um einen kurzfristigen Einsatz in Deutschland handelt, darf im Rahmen der sogenannten kurzfristigen Mobilität bis zu 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen ohne einen deutschen Aufenthaltstitel in einer deutschen Niederlassung des Unternehmens gearbeitet werden. In diesem Fall genügt eine vorherige Mitteilung des Arbeitgebers an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). 

Diese Mitteilung sollte erfolgen, sobald die Absicht zu einem unternehmensinternen Transfer nach Deutschland bekannt ist, und muss unbedingt vor der Einreise vollständig eingegangen sein. Die Mitteilung kann vom Ausland aus elektronisch eingereicht werden, eine persönliche Vorsprache in deutschen Behörden ist nicht notwendig. Über die Berechtigung zur kurzfristigen Mobilität stellt das BAMF eine Bescheinigung aus. 

Wenn es sich um einen Einsatz von mehr als 90 Tagen in Deutschland handelt, dann es gibt zwei Möglichkeiten, einen Antrag auf eine Mobile-ICT-Karte zu stellen:

Antragstellung aus dem Ausland

Mindestens 20 Tage vor der Einreise nach Deutschland muss der Antrag an die zuständige Ausländerbehörde am Ort der Niederlassung gesendet werden. Alternativ kann der Antrag auch über den BSCW-Server an das BAMF gestellt werden.

Übrigens: Wenn der Antrag 20 Tage vor der Einreise gestellt wurde, darf bis zur Entscheidung der Ausländerbehörde bereits für bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen im Unternehmen der deutschen Niederlassung gearbeitet werden.

Antragstellung aus Deutschland

Hält sich der Mitarbeiter bereits im Rahmen der kurzfristigen Mobilität in Deutschland auf und soll länger als 90 Tage zum Zweck des unternehmensinternen Transfers bleiben, muss der Antrag mindestens 20 Tage vor Ablauf der kurzfristigen Mobilität bei der für den Wohnort zuständigen Ausländerbehörde gestellt werden.

Wichtig: Ein Antrag auf Erteilung einer Mobile-ICT-Karte darf nicht gleichzeitig mit einer Mitteilung über die kurzfristige Mobilität gestellt werden.

Welche Vorteile bietet die ICT-Karte?

Mit einer deutschen ICT-Karte dürfen sich unternehmensinterne Beschäftigte auch in einem anderen Anwenderstaat innerhalb der EU aufhalten, ohne in diesem Staat einen Aufenthaltstitel beantragen zu müssen. Gegebenenfalls muss die Unternehmensniederlassung im ersten EU-Mitgliedstaat hierfür eine Mitteilung (bei der ICT-Karte) beziehungsweise einen Antrag (bei der Mobile-ICT-Karte) an die zuständige Behörde im zweiten EU-Mitgliedstaat senden. Die Bedingungen können variieren, da sie vom jeweiligen EU-Mitgliedstaat festgelegt werden. 

Rechts- und Planungssicherheit 

Sollten alle Voraussetzungen erfüllt sein, dann besteht ein Rechtsanspruch auf den unternehmensinternen Transfer. Dementsprechend kann mit der Erteilung einer ICT-Karte in Deutschland oder der Erlaubnis für Mobilität mit einer ICT-Karte aus einem anderen EU-Mitgliedstaat fest gerechnet werden.

Aus Fachkräftemangel wird Fachkräfteförderung 

Die ICT-Karte erleichtert den unternehmensinternen Transfer von Drittstaatsangehörigen und erlaubt somit Arbeitgebern, freie Stellen kurzfristiger mit unternehmensinternen Talenten zu besetzen. Darüber hinaus kann die dabei gewonnene Auslandserfahrung für beide Seiten - Arbeitnehmer und Arbeitgeber - neue und langfristig profitable Werte schaffen.

Für mehr Informationen zum Thema ICT-Karte und dem dazugehörigen Mitteilungsverfahren hat das BAMF einen Flyer herausgebracht.