Die A1-Bescheinigung  ist vielen Personalverantwortlichen als Verpflichtung bei der Entsendung von Mitarbeitern vertraut - sie ist der Standard, um im Ausland nicht ein weiteres Mal Sozialversicherungsbeiträge zahlen zu müssen. Es gibt jedoch eine zusätzliche Meldepflicht bei Entsendungen in EU-Länder.

Warum es eine weitere Meldepflicht gibt

Arbeitgeber sind seit der EU-Entsenderichtlinie aus dem Jahr 1996 verpflichtet, in bestimmten Branchen eine "EU-Meldung" ("posted worker notification") im Zielland vorzunehmen. Damit soll zum einen verhindert werden, dass entsandte Mitarbeiter nicht schlechter verdienen als Einheimische, zum anderen soll kein Lohndumping das Bezahlungsniveau vor Ort senken.

In welchen Branchen die zusätzliche Meldung vonnöten ist
Die Meldepflicht gilt für sogenannte prekäre Beschäftigungsbranchen, die pro Land unterschiedlich definiert werden. In Deutschland fallen darunter z.B. diese Branchen: 

  • Abfallwirtschaft
  • Bauhauptgewerbe
  • Dachdecker- und Elektrohandwerk
  • Gebäudereinigungsleistungen
  • Gerüstbauerhandwerk
  • Maler- und Lackiererhandwerk
  • Pflegedienstleistungen
  • Fleischwirtschaft

Es ist also wichtig, sich im Entsendeland darüber zu informieren, in welchen Branchen die "posted worker notification" vonnöten ist - und darüber, welche Behörde die Meldung bekommen muss.

Welche Strafen drohen bei fehlender Meldung?

Rechtsanwalt Andreas Meyer von der Kanzlei Fragomen berichtet von Strafen bis zu 100.000 Euro, bei Wiederholungsfällen sogar bis zu 500.000 Euro. Ein österreichisches Unternehmen habe eine Strafe von 20.000 Euro überweisen müssen, weil seine Arbeitnehmer auf einer deutschen Baustelle zwar A1-Bescheinigungen hatten, aber keine "EU-Meldung" vorlag. Für strenge Kontrollen seien vor allem die Nachbarländer Österreich und Frankreich in vielen Branchen bekannt. Die Bußgelder fielen in diesen Ländern bei fehlender "posted worker notification" sogar höher als hierzulande aus.

EU plant einheitliches Formular und Helpdesk

Was bisher fehlte, soll demnächst kommen: Die EU plant bis Ende dieses Jahres ein mehrsprachiges elektronisches Formular für die "posted worker notification", das Mitgliedstaaten freiwillig nutzen können. Es soll die Meldeprozedur standardisieren und erleichtern. Außerdem ist dazu ein Helpdesk bei der European Labour Authority in Planung.