"Spielt das Herkunftsland eine Rolle?" Unter dieser Fragestellung steht ein aktuelles Diskussionspapier des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (in englischer Sprache). Die Autoren des IAB sind dem Lohngefälle zwischen Ausländern und Einheimischen nachgegangen und kommen zu einem klaren Ergebnis: Es gibt ein deutliches Gefälle von West nach Ost.

Schlusslicht Osteuropa, Baltikum und Balkan

Deutsche Beschäftigte verdienen - unabhängig von herauszurechnenden Effekten - im Schnitt 14 Prozent mehr als Beschäftigte aus den sogenannten EU-15-Ländern, die um die Jahrtausendwende die Europäische Union bildeten.

Deutlich größer ist die Lohnlücke dem Papier zufolge gegenüber Arbeitnehmern aus jenen Ländern, die im Jahr 2004 der EU beitraten: Die Lücke beträgt rund 40 Prozent. Lohnunterschiede sind laut der Studie vor allem ein Thema für Beschäftigte aus den baltischen Staaten sowie aus dem Balkan.

Grund dafür ist nach Einschätzung der Studienautoren, dass ein Drittel der Arbeitnehmer aus diesen Staaten als Hilfsarbeiter beschäftigt ist. Knapp jeder zweite arbeitet als Fachangestellter und maximal jeder fünfte ist als hoch qualifizierte Fachkraft im Einsatz.

Daneben machten die Forscher noch eine andere Ursache aus, die auf das Gehaltsniveau drückt: Den vollen Zugang zu deutschen Jobs haben viele Arbeitnehmer erst seit wenigen Jahren. "Dementsprechend konnten sie auf dem Arbeitsmarkt noch nicht viel Erfahrung sammeln oder haben noch Sprachdefizite", so die Autoren der Studie.

Sonderfall Türkei

Welchen Einfluss die Erfahrung auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat, zeigt sich auch am Beispiel der türkischen Arbeitnehmer, die seit Jahrzehnten in deutsche Unternehmen integriert sind. "Unter den Hilfsarbeitern haben türkische Arbeitnehmer die höchsten mittleren Einkommen, die sogar die der Deutschen übersteigen", heißt es in der Studie. Bei den Fachangestellten verdienen türkische Arbeitnehmer am zweitmeisten. Aufgrund dieser Tatsache sei das Durchschnittsgehalt türkischer Migranten höher als das der Arbeitnehmer aus osteuropäischen EU-Ländern, dem Baltikum und den Balkanstaaten. 

Vorteil durch Ausbildung in Deutschland

Weiteres interessantes Ergebnis: Die Lohnlücke zwischen ausländischen und deutschen Arbeitnehmern fällt deutlich kleiner aus, wenn ausländische Arbeitnehmer ihre Berufsausbildung in Deutschland absolviert haben. Besonders positiv wirke sich das für Migranten aus den osteuropäischen Ländern, dem Baltikum und den Balkanstaaten aus, so die Forscher.

Deutschland ist attraktiver Arbeitsmarkt

Trotz der Lohnunterschiede kommt die Studie zu dem Schluss: Migranten werden im Durchschnitt in Deutschland fair entlohnt. Für die politische Debatte über die Einwanderung von Fachkräften bedeute dies, dass Deutschland ein attraktives Ziel für Einwanderung ist. "Mögliche Lohnunterschiede werden sich über die Zeit verringern, was wir insbesondere unter den EU-15-Migranten beobachten können", folgern die Autoren der Studie.