In einer Langzeitstudie über die mathematischen, IT-, naturwissenschaftlichen und technischen (MINT-) Berufe fand das IW heraus: Zwischen 2012 und 2020 ist die Beschäftigung von Deutschen in diesen MINT-Facharbeiterberufen konstant geblieben, während sie unter Ausländern um 54,9 Prozent zunahm. Im Schnitt sind damit nun 10,3 Prozent aller Beschäftigten in MINT-Berufen internationale Arbeitnehmer. 

Gute Integrationschance für Migranten

Weiteres Ergebnis der Studie: Verglichen mit anderen zugewanderten Akademikern haben hochqualifizierte Arbeitskräfte in MINT-Berufen eine deutlich erfolgreichere Arbeitsmarktteilhabe. So haben knapp elf Prozent eine Führungsposition inne. Werden Aufsichtstätigkeiten berücksichtigt, erhöht sich der Anteil sogar auf über ein Viertel.

Dass ausländischem Personal ausgerechnet in technischen Berufen der Einstieg leichter fällt, liegt laut IW in der Natur der Sache. "Die Gesetze der Technik und der Naturwissenschaften sind von globaler Natur und gelten mithin weltweit, sodass der Entstehungsort des MINT-spezifischen Know-hows weitgehend irrelevant für dessen potenzielle Nutzung ist", heißt es in dem Bericht. 

Spitzenkräfte aus Asien und Russland

In den akademischen MINT-Berufen stechen vor allem vier Herkunftsregionen durch sehr starken Zuwachs hervor: Indien (+378 Prozent), Asien (+191 Prozent), Russland (+141 Prozent) und die Türkei (+113 Prozent). Aus den europäischen Ländern sind vor allem Italiener und Franzosen stark in diesen Berufen vertreten.

Dass vor allem Hochqualifizierte aus außereuropäischen Staaten zuwandern, sei nicht zuletzt der deutschen Zuwanderungspolitik geschuldet, resümieren die Studienautoren. So gestalte sich die Zuwanderung von Akademikern aus Drittstaaten durch die Blaue Karte EU deutlich leichter als die Zuwanderung von Facharbeitern ohne akademischen Abschluss. 

Mehr MINT-Fachkräfte braucht das Land

Die Studie zeigt auch: Ausländische Arbeitnehmer leisten einen überproportionalen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Ohne sie würden zusätzlich rund 265.000 Facharbeiter fehlen, Tendenz steigend. Denn bis 2024 prognostiziert das IW einen jährlichen Ersatzbedarf von 291.200 Arbeitskräften, der vom inländischen Nachwuchs nicht annähernd gedeckt werden kann. Deswegen empfehlen die Experten, weiterhin aktiv Fachkräfte aus Drittstaaten anzuwerben. Durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und das beschleunigte Verfahren sollte die Zuwanderung auch für Facharbeiter attraktiv werden.