Dafür analysierten Forscher der Humboldt-Universität zu Berlin 860.000 Online-Jobanzeigen der Gastro- und Baubranche. Die Auswertung ergab, dass in mehr als zwei Dritteln der Job-Anzeigen für Fachkräfte zwar mehrere Teilqualifikationen, aber kein vollständiges Berufsprofil gefordert wurden. Gleichzeitig erwarteten Arbeitgeber auch von Hilfskräften mehr Kompetenzen, als die Einordnung "ungelernt" zunächst vermuten lässt. So wurden bei den Fachkräften im Schnitt knapp zwei Drittel der Teilqualifikationen (59 Prozent) nachgefragt. Bei den Hilfskräften ist es immer noch knapp ein Viertel (24 Prozent).

Vollständiges Berufsprofil kaum noch verlangt

"Die Studie zeigt, dass auf dem Arbeitsmarkt die traditionelle Zweiteilung in ausgelernte Fachkräfte und ungelernte Hilfskräfte keine Gültigkeit mehr hat", sagt Martin Noack, Experte für Weiterbildung der Bertelsmann Stiftung. Bei einer repräsentativen Bertelsmann-Umfrage zeigte sich bereits 2020 die zunehmende Bereitschaft der Arbeitgeber, Ungelernten einen Job anzubieten: Vier von fünf Unternehmen gaben an, Mitarbeiter einzustellen, die über keinen Abschluss verfügen, dafür aber Kompetenzen in ein oder mehreren Teilqualifikationen nachweisen können.

Wachsendes Potenzial durch Ungelernte

Die wachsende Anzahl Ungelernter birgt dabei ein hohes Potenzial. So ist die Zahl der 20- bis 34-Jährigen, die keinen Berufsabschluss haben, laut dem Berufsbildungsbericht 2019 seit 2014 von 1, 88 Millionen auf 2,1 Millionen gestiegen. Über Angebote zum Beispiel der Bundesagentur für Arbeit können diese innerhalb von zwei bis sechs Monaten Teilqualifikationen erwerben und dadurch ihre Chancen auf eine sichere und besser bezahlte Beschäftigung deutlich erhöhen.

Fokus auf Teilqualifikationen

Insgesamt ist die Zahl der jährlich durchgeführten Teilqualifizierungen von 2010 bis 2020 von 3.000 auf 15.000 gestiegen und hat sich damit verfünffacht. Wegen der hohen Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt sollten Teilqualifikationen laut Roman Wink, Weiterbildungsexperte der Bertelsmann Stiftung, jedoch noch mehr im Fokus der Weiterbildungspolitik stehen.