Der Vorsitz des Rates und die Vertreter des Europäischen Parlaments haben eine vorläufige Einigung über die Bedingungen für die Einreise und den Aufenthalt von hoch qualifizierten Drittstaatsangehörigen getroffen, die zum Leben und Arbeiten in die EU ziehen. Mit diesem EU-weiten Zulassungssystem sollen hoch qualifizierte Arbeitskräfte angeworben und gehalten werden, insbesondere in Branchen mit Fachkräftemangel. 

Vereinfachter Zugang zum Arbeitsmarkt 

Mit den neuen Regelungen für die Blaue Karte EU wurde eines der Hauptziele des neuen Migrations- und Asylpakets erreicht: Sie beinhalten unter anderem eine effizientere Anwerbung hochqualifizierter Arbeitskräfte, flexiblere Zulassungsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt sowie erweiterte Rechte und mehr Mobilität zwischen den EU-Mitgliedstaaten für Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland. 

Ein modernes und zielgerichtetes System der legalen Zuwanderung ermöglicht eine flexible und nachhaltige Reaktion auf den Fachkräftemangel. Im internationalen Vergleich stehe die EU bei der Anwerbung von hochqualifizierten Arbeitskräften aus Drittstaaten vermehrt in Konkurrenz zu anderen Zielregionen, heißt es in der Mitteilung des Bundeskanzleramts. Zwar obliegt es weiterhin den Mitgliedstaaten zu entscheiden, welche und wie viele Menschen aus Drittstaaten auf dem jeweiligen heimischen Arbeitsmarkt tätig werden dürfen, doch bietet die neue Regelung einen verbesserten Rahmen zur Anwerbung potenzieller Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland. 

Die neuen Regeln im Detail

Die bisher erforderliche Mindestdauer eines gültigen Arbeitsvertrags in einem EU-Mitgliedstaat zur Qualifikation für die Blaue Karte EU wird um die Hälfte - von zwölf auf sechs Monate - verkürzt. Auch die Gehaltsschwelle der Erwerbstätigen aus einem Drittstaat zur Qualifikation für die Blaue Karte EU wird gesenkt - und zwar auf das 1- bis 1,6-Fache des durchschnittlichen Bruttojahresgehalts des jeweiligen EU-Mitgliedstaats. 

Ebenso gilt ein hoher Bildungsabschluss als ein mögliches Kriterium für den Erhalt einer Blauen Karte EU. Die neue Regelung sieht vor, dass in einigen spezifischen Sektoren ein Hochschulabschluss mit vergleichbarer Berufserfahrung gleichgestellt bewertet wird. Damit soll vor allem die Anerkennung von beruflichen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie erleichtert werden.

Weiter soll die Blaue Karte EU auch für hochqualifizierte Personen zugänglich gemacht werden, die internationalen Schutz genießen. Deren Familienangehörige sollen diese begleiten dürfen und ebenfalls Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Nächste Schritte

Nachdem das Europäische Parlament und der Europäische Rat die Einigung förmlich angenommen haben, müssen die EU-Mitgliedstaaten die Bestimmungen innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umsetzen.