Aufenthaltsdauer

Welches Finanzamt bei der zu errichtenden Steuererklärung zuständig ist, richtet sich vor allem danach, wo ihr Mitarbeiter während seiner Auslandstätigkeit seinen Lebensmittelpunkt hatte und wie lange er sich dort aufgehalten hat. Hat Ihr Mitarbeiter seinen Wohnsitz in Deutschland beibehalten, ist er auch hier unbeschränkt steuerpflichtig, unabhängig davon, ob er sich auch in Deutschland aufgehalten hat oder nicht. Das gleiche gilt, wenn der Ehepartner oder die Kinder in Deutschland geblieben sind und so der Lebensmittelpunkt auch weiterhin in Deutschland war.

Doppelbesteuerungsabkommen

Nach dem Welteinkommensprinzip unterliegen unbeschränkt Steuerpflichtige mit ihren gesamten inländischen und ausländischen Einkünften in Deutschland der Einkommensteuer. Bei Auslandstätigkeiten meldet jedoch auch regelmäßig der Fiskus des Tätigkeitsstaates Steueransprüche an. Damit in diesen Fällen das Einkommen nicht doppelt besteuert wird, hat Deutschland mit vielen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Diese Abkommen orientieren sich zwar nach einem Vertragsmuster der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), fallen aber in den verschiedenen Ländern auch unterschiedlich aus.

In der Regel muss das Einkommen in dem Staat versteuert werden, in dem der Arbeitnehmer seine Tätigkeit ausübt hat. In Deutschland werden die entsprechenden Einkünfte dann von der Einkommensteuer freigestellt. Bestenfalls hat Ihr Mitarbeiter für die Zeit der Entsendung eine Freistellung von der deutschen Lohnsteuer beantragt, die Sie als Arbeitgeber als Beleg zum Lohnkonto aufbewahrt haben. Diese Freistellungsbescheinigung ist maximal drei Jahre gültig.

Vorsicht bei der 183-Tagefrist

Eine Ausnahme bildet die sogenannte 183-Tagefrist: Hat sich Ihr Mitarbeiter weniger als 183 Tage im Ausland aufgehalten, dann ist der deutsche Fiskus zuständig, wenn die Vergütung vom Mutterunternehmen in Deutschland gezahlt wurde. Wurde der Lohn dagegen von der Tochtergesellschaft oder der Niederlassung am Einsatzort errichtet, ist auch dort die Steuer fällig, unabhängig von der Aufenthaltsdauer. Das gilt auch, wenn wie beispielsweise in Österreich der rechtliche und nicht wie in Deutschland der wirtschaftliche Arbeitgeber maßgeblich ist.

Für Sie als Arbeitgeber bedeutet das also, dass Sie für die Auslandsvergütung Ihres Mitarbeiters in Deutschland Lohnsteuer abführen müssen, wenn:

  • Ihr Mitarbeiter sich höchstens 183 Tage im Ausland aufgehalten hat und
  • der Arbeitslohn von einem Arbeitgeber oder einer Betriebsstätte in Deutschland beziehungsweise nicht im Tätigkeitsland bezahlt wurde.

Vorsicht ist auch bei der Errechnung der 183-Tagefrist geboten: Ob diese Frist für das Kalenderjahr, das Steuerjahr oder ein Zeitraum von zwölf Monaten gilt und welche Aufenthalte hierzu gezählt werden, hängt von dem mit dem jeweiligen Land geschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen ab. So ist in Frankreich, Italien und Österreich der Aufenthalt entscheidend, in Belgien und Dänemark zählt hingegen der Zeitraum der Berufsausübung. Mehr dazu erfahren Sie in den jeweiligen Abkommen.

Versteuerung zusätzlicher Einkünfte

Hat Ihr Mitarbeiter während seiner Auslandstätigkeit seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland aufgegeben, ist er mit seinen in Deutschland erzielten Einkünften nur beschränkt steuerpflichtig. Nach dem Quellenstaatenprinzip unterliegen dann nur jene Einkünfte der inländischen Besteuerung, die auch im Inland erwirtschaftet wurden. Verfügt Ihr Mitarbeiter über ein Wertpapierdepot oder eine vermietete Eigentumswohnung in Deutschland, muss er also abzüglich der hierauf anfallenden Aufwendungen an den deutschen Fiskus Steuern zahlen. Ist die Vermögenssteuer am Einsatzort höher, kann das dort ansässige Finanzamt unter Umständen auch noch einen Aufschlag verlangen. So beträgt die Abgeltungssteuer bei Vermögenseinkünften in Deutschland 25 Prozent, in England sind es aber zum Beispiel 40 Prozent.

Wichtig für Sie als Arbeitgeber ist die Versteuerung zusätzlicher Gehaltszahlungen. Denn nicht nur die reinen Lohnzahlungen, sondern auch Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Provisionen und variable Einkommensbestandteile müssen versteuert werden. Wenn Ihr Mitarbeiter nicht das gesamte Jahr im Ausland tätig war, werden diese anteilsmäßig auf die Anwesenheitstage umgerechnet und versteuert. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Durch den sogenannten Progressionsvorbehalt kann es sein, dass der deutsche Fiskus für die in Deutschland erzielten Einkünfte einen höheren Steuertarif veranschlagt. Bekommt Ihr Mitarbeiter die zusätzliche Gehaltszahlung erst im Folgejahr ausgezahlt und fällt diese in den Zeitraum des Auslandsaufenthaltes, muss er diese zusätzlich zur Steuerzahlung im Ausland rückwirkend in Deutschland versteuern.