"Typischerweise sind die Beschäftigungschancen und Verdienste von Migranten in den ersten Jahren nach dem Zuzug deutlich geringer als die von Einheimischen", stellt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer aktuellen IAB-Studie fest. Die Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses verbessere diese Ausgangslage sowohl kurz- als auch langfristig: Migranten, deren Abschlüsse anerkannt wurden, haben laut Studie nach drei Jahren eine um 25 Prozent höhere Beschäftigungswahrscheinlichkeit - verglichen mit Einwanderern ohne anerkannten Abschluss. Außerdem verdienen sie 20 Prozent mehr und erreichen im Schnitt nach etwa sieben Jahren das Einkommensniveau von Einheimischen. 

Zuwachs besonders in reglementierten Berufen

Die besten Beschäftigungschancen haben laut Studie Einwanderer in den sogenannten reglementierten Berufen wie Ärzte, Pflegepersonal oder auch Lehrer. Voraussetzung für den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ist, dass der ausländische Abschluss als gleichwertig gilt. Entsprechend seien in diesen Berufen die Vorteile der Anerkennung besonders hoch. Dies gelte sowohl für die Einstiegschancen als auch für den Verdienst. 

In unreglementierten Berufen ist eine Anerkennung des ausländischen Abschlusses nicht zwingend notwendig, um die Tätigkeit auszuüben. Dennoch ist sie "ein wichtiges Signal für die Qualifikationen und Produktivität der betroffenen Person", resümieren die Experten. Zudem habe die Anerkennung ebenfalls positive Arbeitsmarkteffekte, auch wenn diese geringer ausfallen als bei den reglementierten Berufen.

Nur gut ein Drittel beantragt Anerkennung

Trotz der deutlichen Vorteile eines anerkannten Berufsabschlusses zeigt die Stichprobe der IAB-Studie, dass sich lediglich 36 Prozent der Migranten um eine Anerkennung bewerben. Das hat vielfältige Gründe. In den meisten Fällen gaben die Befragten an, dass die Anerkennung nicht wichtig sei. Das deute darauf hin, so die Studienautoren, "dass diese Personen bei der Einschätzung der Vorteile einer Anerkennung zu dem Schluss kommen, dass diese den Aufwand des Verfahrens nicht rechtfertigen". Weiterhin wurden als Gründe für die fehlende Anerkennung Unwissenheit über den Prozess, der hohe Aufwand, die Kosten sowie fehlende wichtige Dokumente genannt. 

Gesetze wie das neue Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz und das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) haben die Anerkennung zwar vereinheitlicht und erleichtert, aus Sicht der Experten gibt es dennoch weiteres Verbesserungspotenzial. Um die Zahl der Anerkennungsanträge stetig zu erhöhen, empfehlen sie, die Informationen zu den Anträgen transparenter zu gestalten, die Beratung zu verbessern, Migranten im Prozess zu unterstützen und gegebenenfalls die Kosten zu senken. 

Informationen für Arbeitgeber

Informationen zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse, zum beschleunigten Verfahren nach dem FEG sowie zur Integration internationaler Mitarbeiter finden Arbeitgeber im Portal "Make it in Germany".

Beratend und begleitend steht die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung zur Seite.