In der Studie vergleicht das Forschungsteam der Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg das Bildungsniveau der Geflüchteten sowohl mit dem im Herkunftsland als auch dem im Zielland. Dabei kommen die Wissenschaftler zu erstaunlichen Erkenntnissen. So gehören 75 Prozent der syrischen Flüchtlinge in Deutschland zur gebildeteren Hälfte der syrischen Gesellschaft. Bei den geflüchteten Afghanen sind es 66 Prozent. 

Warum sie in Deutschland trotzdem als gering qualifiziert gelten, erklärt Prof. Dr. Cornelia Kristen, Inhaberin des Lehrstuhls für Soziologie an der Universität Bamberg: "Ein anderswo erworbener mittlerer Bildungsabschluss kann in einer Herkunftsgesellschaft, in der nur wenige einen mittleren Abschluss erreichen, einen anderen Stellenwert haben als in einer Gesellschaft wie der Bundesrepublik, in der die Mehrheit mindestens über einen mittleren Abschluss verfügt."

Besser gebildete Migranten sind schneller beim Spracherwerb

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass das Bildungsniveau im Vergleich zum Herkunftsland eine entscheidende Rolle bei der Integration spielen könnte. Frühere wissenschaftliche Untersuchungen hätten belegt, dass Migranten mit einer höheren Bildung - bezogen auf ihr Herkunftsland - die Sprache des Ziellandes schneller erlernen als Personen mit einer geringeren Bildung. Ähnliche Vorteile wurden auch für die Gesundheit, den Arbeitsmarkterfolg und die Bildung der zweiten Generation nachgewiesen.

Zielländer sollten in (Aus-)Bildung investieren

Die Realität sieht aber anders aus - darüber sind sich die Studienautoren bewusst. Viele der Geflüchteten seien junge Menschen mit einem - aus deutscher Sicht - geringen Bildungsniveau. Und dieses reiche in einer modernen Gesellschaft häufig nicht aus, um eine qualifizierte Beschäftigung zu bekommen, so die Forscher. "Um die Integration der jungen Menschen zu fördern, sind Zielländer wie Deutschland gut beraten, für den weiteren Bildungserwerb Anreize zu schaffen und diesen zu unterstützen", resümiert Cornelia Kristen.