Die gute Nachricht vorweg: Deutschland ist das beliebteste Zielland für Arbeitskräfte in Europa und ist in diesem Jahr im weltweiten Ranking "Decoding Global Talent" auf den zweiten Platz aufgestiegen. Deutschland hatte in der Studie bisher jahrelang den den vierten Platz belegt, nun rangiert das Land direkt hinter den USA.

Beliebtheit steigt mit Brexit-Votum 

Vor allem Arbeitskräfte aus den Ländern, für die bisher Großbritannien attraktiver war, orientieren sich seit dem Brexit-Votum in Richtung Bundesrepublik. Dazu zählen Menschen aus Spanien, Dänemark, Polen und Rumänien. Auch außerhalb Europas schlägt Deutschland das Vereinigte Königreich in Sachen Beliebtheit: Talente aus China und Indonesien bevorzugen inzwischen Deutschland gegenüber Großbritannien - 2014 war es noch genau andersherum. Beliebt sind der Studie zufolge Engineering- und Produktionsjobs in der Automobil- und Chemieindustrie. Da in vielen Unternehmen inzwischen Englisch gesprochen wird, sei auch der Sprachenunterschied kein wirkliches Hemmnis mehr, heißt es in der Studie.

Osteuropa: Mobilität nimmt ab

Eine Herausforderung für die Zukunft wird nach Einschätzung der Experten die Personalbeschaffung in den osteuropäischen Nachbarländern sein. Laut der Befragung bleiben immer mehr Menschen in ihren Heimatländern, weil dort Arbeitskräfte fehlen. Die Forscher warnen: "Sollte die Zahl der Polen, Rumänen, Ungarn und Kroaten, die nach Deutschland kommen, sinken, so könnte dies einen spürbaren Arbeitskräftemangel in den Bereichen zur Folge haben, in denen Arbeitskräfte aus diesen Ländern überdurchschnittlich viele Stellen besetzen - unter anderem im Sozial- und im IT-Bereich sowie im Bau- und Gastgewerbe."

Erhöhte Bereitschaft für Auslandsjobs

Eine weitere Bedrohung für die HR-Planung liegt der Erhebung zufolge in der zunehmenden Reiselust von hoch qualifizierten Deutschen mit Masterabschluss oder Doktorgrad - also "jene, die man gern hierbehalten würde", wie es in der Studie heißt. So sagen beispielsweise 68 Prozent dieser Zielgruppe, dass sie sich vorstellen können, im Ausland zu arbeiten. 66 Prozent der unter 30-Jährigen teilen diese Ansicht.

Viele der Deutschen, die die Bereitschaft zeigen, ins Ausland zu wechseln, geben als Grund dafür bessere Karrierechancen an. Jene deutschen Arbeitskräfte, die mobil sind, sind zugleich "in höherem Maße als andere karriereorientiert und karrierebewusst".

Über die Studie

Die Studie "Decoding Global Talent" basiert auf einer Befragung von 366.000 Menschen in 197 Ländern durch StepStone, The Boston Consulting Group und The Network, einem globalen Zusammenschluss von Online-Jobbörsen in 130 Ländern.