Während die Infektionszahlen im vergangenen Jahr immer weiter anstiegen, wurden nicht nur die Grenzen geschlossen, auch viele Auslandsvertretungen sahen sich gezwungen, auf Notbetrieb herunterzufahren. Das blieb nicht ohne Auswirkungen: Die Zahl der erteilten Arbeitsvisa im Zuge der Westbalkanregelung sank 2020 um 80 Prozent.

Insgesamt wurden 5.188 Visa zur Arbeitsaufnahme an Arbeitskräfte aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien erteilt. Das sei nur noch rund ein Fünftel der Vorjahreszahl in Höhe von 27.259 gewesen, so das Auswärtige Amt in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage an den Bundestag. 

Wartezeiten bis zu einem Jahr

"Aus Fürsorgegründen mussten Maßnahmen zum gesundheitlichen Schutz des Personals und der Antragstellenden getroffen werden, wie zum Beispiel Abstandsregelungen und eine Begrenzung der Zahl gleichzeitig anwesender Personen vor den Schaltern, aber auch in den Büros der Visastelle", heißt es in der Pressemitteilung des Deutschen Bundestages. 

Diese zwingend notwendigen Maßnahmen hätten zu einer erheblichen Reduzierung der Kapazitäten für die Visabearbeitung geführt. Aufgrund von lokalen Vorgaben (insbesondere Ausgangssperren) sowie Infektionsfällen innerhalb der Belegschaft seien Auslandsvertretungen teilweise auch ganz für den Publikumsverkehr geschlossen worden und hätten nur in Notfällen Visaanträge annehmen können.

Visa für Pflegehilfskräfte und Kraftfahrer

Momentan können Visa im Rahmen der Westbalkanregelung nur dann beantragt werden, wenn eine Beschäftigungsaufnahme in versorgungsrelevanten Branchen wie etwa als Pflegehilfskraft und Berufskraftfahrer geplant ist. Obwohl unter Hochdruck daran gearbeitet wird, eventuelle Wartezeiten zu verkürzen, kann es nach wie vor zu Verzögerungen bei den einzelnen Auslandsvertretungen kommen. 

Mazedonien ist Spitzenreiter 

Nach Ländern betrachtet, wurden laut Auswärtigem Amt im vergangenen Jahr die meisten Visa für Mazedonien (1.291 Fälle) sowie für Bosnien und Herzegowina (1.047 Fälle) erteilt. Die Ablehnungsquote lag mit 34 Prozent höher als 2019 (24 Prozent). Die Nachfrage nach Arbeitskräften aus dem Westbalkan ist besonders hoch aus dem deutschen Baugewerbe, aber auch der Logistik- und Pflegebranche. 

Die Westbalkanregelung war Anfang 2016 in Kraft getreten. Damit schuf die Bundesregierung für Staatsangehörige der Westbalkanregion einen privilegierten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Das heißt, Arbeitsuchende können auch ohne Deutschkenntnisse und berufliche Qualifikation ein Visum beantragen. Voraussetzung ist, dass der Antragsteller ein verbindliches Jobangebot mit Arbeitsvertrag vorweisen kann.

Im Januar 2021 wurde die Regelung bis Ende 2023 verlängert, neu ist jedoch die Begrenzung auf 25.000 Arbeitsvisa pro Kalenderjahr.