Laut der Studie sind Arbeitnehmer aus dem Westbalkan vor allem im Baugewerbe, in der Gastronomie und in der Pflege beschäftigt. Mehr als die Hälfte arbeite als Fachkraft, Spezialist oder Experte - das sei ein weitaus höherer Anteil als in vergleichbaren Migrantengruppen anderer Herkunft, wie die Autoren erklären. "Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Arbeitsmarktintegration auch im Vergleich zu anderen Migrantengruppen erfolgreich gelungen ist", heißt es in der Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag des BMAS erstellt hat. 

Die Forscher haben den Werdegang von 36.000 Arbeitskräften aus dem Westbalkan analysiert, die in Deutschland eine Arbeit begonnen hatten. "Im Beobachtungszeitraum gibt es nach unseren Daten keine Hinweise darauf, dass die Regelung zu einer Einwanderung in das deutsche Sozialsystem genutzt wird", stellen die Autoren fest.

Erfolgsrezept: Vereinfachter Einstieg 

Als Grund für den Erfolg nennen die Wissenschaftler die Tatsache, dass der Einstieg in den Arbeitsmarkt relativ leicht gemacht wird. So seien zahlreiche stabile Beschäftigungsverhältnisse entstanden. Bewerber aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien dürfen gemäß der Ausnahmeregelung in Deutschland jeden Job annehmen. Berufliche Qualifikationen sowie Deutschkenntnisse werden nicht verlangt. Ausgeschlossen sind Personen, die in den vorherigen zwei Jahren Asylleistungen erhalten haben. Weitere Voraussetzungen:

  • ein verbindliches Arbeitsplatzangebot von einem Arbeitgeber,
  • die Zustimmung zur Beschäftigung seitens der Bundesagentur für Arbeit sowie
  • ein gültiges Visum. 

Mehr Möglichkeiten für Geringqualifizierte

Die Westbalkanregelung gilt vorerst bis zum Ende dieses Jahres - ob sie verlängert wird, ist bisher nicht entschieden. Arbeitgeberverbände setzen sich inzwischen für eine Verlängerung ein, wie etwa der Zentralverband der Bauindustrie (ZDB). "Die Baubranche ist auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen", erklärte der ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa in einer Pressemitteilung. "Gerade einfache, von heimischen Arbeitnehmern nicht mehr ausgeübte Tätigkeiten werden von angelernten, aber sehr erfahrenen Arbeitnehmern vom Westbalkan ausgeführt."

Eine Kollision mit dem gerade erst in Kraft getretenen Fachkräfteeinwanderungsgesetz sehen weder Arbeitgeber noch die Autoren der Studie, die darauf hinweisen, dass für Arbeitgeber im Niedriglohnsektor das neue Gesetz keine Rolle spiele. Außerdem konkurriere Deutschland bei der Westbalkanregelung nicht mit vielen anderen Staaten in Europa um die Anwerbung von Arbeitskräften.

Seit März dieses Jahres bietet Deutschland mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz einen vereinfachten Zugang für Qualifizierte aus Staaten außerhalb der Europäischen Union, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen möchten. Im Interview mit der TK gibt eine Expertin für internationales Arbeitsrecht eine Einschätzung dazu. Sie schildert darin auch Erfahrungen der Mandanten zur Vergabe von Visa aus Serbien.