Ende Mai 2022 lief in Deutschland die Corona-Arbeitsschutzverordnung aus, zum 1. Juni fiel die Kategorisierung der "Hochrisikogebiete" weg. Seitdem stuft Deutschland entsprechende Länder nur noch als "Virusvariantengebiete" ein. Auch die Maskenpflicht ist weitestgehend abgeschafft. "Corona ist aus den Köpfen der meisten Menschen weg, aber insbesondere Unternehmen, die Mitarbeitende ins Ausland schicken, sollten schon jetzt an den Herbst denken, wenn sich die Situation wieder verschärfen wird - in einigen Regionen der Welt tut sie es schon jetzt", warnt Oliver Hirt, Travel-Risk-Berater und Inhaber von Litehouse Consulting, einer Unternehmensberatung, die sich ausschließlich mit Reisesicherheit beschäftigt.

"Die Corona-Arbeitsschutzverordnung ist zwar weggefallen, aber die gesetzlich geregelte Fürsorgepflicht von Arbeitgebern  besteht natürlich weiter", gibt Hirt zu bedenken. Das wird in Bezug auf COVID besonders interessant, wenn Beschäftigte ins Ausland entsandt werden, egal ob für drei Wochen, drei Monate oder drei Jahre. "Wie auch schon in der Vor-Pandemie-Zeit müssen Unternehmen vorab eine Gefährdungsanalyse für jedes Land durchführen", erklärt der Experte, der auch Dozent an der VDR-Akademie  (GeschäftsreiseVerband Deutschland) ist. Konkret bedeutet das, sich die Einreise-, Isolierungs- und Quarantäneregelungen anzuschauen und dann individuell zu entscheiden, ob die Reise unter den jeweiligen Bedingungen tatsächlich zu verantworten ist.

Natürlich gibt es notwendige Entsendungen, etwa für Montage- oder Servicearbeiten. Dann ist es erforderlich, verschiedene Vorkehrungen zu treffen. "Da ist zum einen eine Notrufnummer, über die ein Unternehmen im Falle einer Infektion für die Mitarbeitenden rund um die Uhr zu erreichen ist. Das gilt nicht nur für eine Corona-Infektion", sagt Hirt. Auch ein Notfallplan ist zu erstellen: Wie lange kann der Mitarbeiter in welchem Hotel in Quarantäne gehen? Wo befinden sich die für die Beendigung der Isolation und damit oft auch für die Ausreise notwendigen PCR-Test-Stellen? Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen im jeweiligen Land? Wie sind die Beförderungsregeln, wie die Meldepflichten?

All das bedarf intensiver Recherche. "Die Internetseite des Auswärtigen Amts ist da eine gute erste Anlaufstelle, und auch die Lufthansa hält detaillierte und ständig aktualisierte Informationen bereit", so der Travel-Risk-Experte. Bei Einzelheiten zu den Isolationsvorschriften werde es oft schon schwieriger. Da heißt es, sich mühsam durch die Gesundheitsportale der jeweiligen Länder zu arbeiten. 

"Für die EU und Nordamerika ist eine Reise auch jetzt zu Corona-Zeiten noch relativ unproblematisch, weil die Regelungen sehr ähnlich denen in Deutschland sind", sagt Hirt. Außerhalb dieser Länder gestalte sich das oft schwieriger - auch aufgrund von kulturellen und sprachlichen Barrieren. 

Im Zweifel ist es ratsam, die Expertise eines spezialisierten Dienstleisters einzuholen. Der hilft auch, wenn es tatsächlich zu einer Corona-Infektion kommt.

Denn das kann auch zu organisatorischen Problemen führen: Selbst wenn ein Mitarbeiter gesundheitlich in der Lage wäre, auszureisen, ist es in einigen Fällen nicht möglich, weil es die Beförderungsregeln nicht zulassen. "Am Ende bleiben die Unternehmen auf den Kosten für das Quarantänehotel, die Flugumbuchung und gegebenenfalls den Mietwagen sitzen - und das auch schon mal für zwei Wochen", warnt Hirt. Das sei besonders ärgerlich, wenn der Mitarbeiter während dieser Zeit nicht einmal von außerhalb arbeiten könne. "Da gilt es, genau abzuwägen, ob die Entsendung wirklich sinnvoll ist."