Der zuständige EU-Digitalkommissar Thierry Breton drängte laut Pressemitteilung dazu, die Apps möglichst bald in verschiedenen Ländern der EU einsetzbar zu machen. Dafür soll es künftig eine gemeinsame Serverinfrastruktur der EU-Staaten geben ("federation gateway"), die den Datenaustausch zwischen den Servern der einzelnen nationalen Lösungen regelt. Ein Pilotversuch ist zwischen Deutschland, den Niederlanden, Polen und Irland geplant, wie die EU-Kommission mitteilt

Bislang arbeitet jedes Land mehr oder weniger auf eigene Faust an einer Tracing-App. Die Corona-Warn-App der Bundesregierung wurde im Auftrag des Robert-Koch-Instituts von der Deutschen Telekom und SAP entwickelt und ist seit Mitte Juni 2020 verfügbar. 

Sie ist in den App-Stores aller EU-Länder sowie in der Türkei, der Schweiz, Norwegen und Großbritannien freigegeben. Außerdem sollen neben Deutsch, Englisch und Türkisch bald weitere Sprachen zur Verfügung stehen. Eine Liste von Ländern sowie Fragen und Antworten zur App veröffentlichten die Entwickler auf einer Projekt-Seite

Datenaustausch mit ausländischen Apps in Arbeit

Laut FAQ-Liste der Bundesregierung wird an einer Lösung für Urlaubs- und Geschäftsreisende sowie für Pendler in den Grenzregionen gearbeitet, damit die App auch im Ausland besser genutzt werden kann.

Wie sicher die jeweilige App den Kontakt zu einer mit Covid-19 infizierten Person anzeigt, hängt aber immer von der Verbreitung ab. Diese variiert von Staat zu Staat deutlich: Während die deutsche Warn-App mittlerweile 16,4 Millionen Downloads zählt, kommt das französische Pendant "StopCovid" Medienberichten zufolge nur auf knapp zwei Millionen Nutzer. 

Dass die französische App zunächst vom grenzüberschreitenden Datenaustausch ausgeschlossen wird, hat aber einen anderen Grund: Das gemeinsame Gateway soll nach den Worten der EU-Kommissions-Vizepräsidentin Margrethe Vestager nur für die Nutzung von Apps gelten, die dezentral gespeichert sind. StopCovid speichert die Daten hingegen zentral.

Die 60.000 Grenzpendler zwischen Deutschland und der Schweiz profitieren ebenfalls erst einmal nicht von der gemeinsamen Datennutzung. "Kurzfristig steht einer Teilnahme der Schweiz entgegen, dass die dafür notwendigen Rahmenbedingungen der EU-Patientenmobilitätsrichtlinie nicht anwendbar sind" zitiert die "Badische Zeitung" einen Sprecher der EU-Kommission.