Das digitale COVID-Zertifikat ist Bestandteil des gemeinsamen Vorgehens der EU bezüglich der Reisebeschränkungen, auf das sich die Mitgliedstaaten im Oktober geeinigt haben. "Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie und ermöglicht gleichzeitig den Bürgerinnen und Bürgern die sichere Ausübung ihrer Freizügigkeitsrechte in einem koordinierten Rahmen", so EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides über den Nachweis. Damit werden im Sommer sowohl Geschäfts- als auch Urlaubsreisen innerhalb der EU wieder leichter. Die Verordnung des Europäischen Parlaments tritt am 1. Juli 2021 für zwölf Monate in Kraft. 

Damit die Einführung innerhalb kürzester Zeit möglich ist, läuft die technische Umsetzung parallel zur Gesetzgebung ab. Die Eckpunkte sowie die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum COVID-Zertifikat gehen aus der Verordnung hervor:

Welche Daten werden erfasst?

In dem digitalen Dokument werden Angaben zum Impfstoff erfasst, den der Inhaber erhalten hat, sowie das Impfdatum. Außerdem sollen auch Informationen zu einer durchgestandenen Corona-Infektion sowie zu aktuellen Tests hinterlegt werden. 

Zur Identifizierung werden Name und Geburtsdatum erfasst und zum Schutz vor Fälschungen auch der Aussteller des Zertifikats mit einer Signatur und einem elektronischen Siegel. Zudem ist für jede Impfung, Testung und Genesung ein gesondertes Zertifikat auszustellen, das keine Daten aus bereits ausgestellten Zertifikaten enthalten darf.

Da das Zertifikat nur dezentral auf dem eigenen Handy gespeichert wird, sei der Datenschutz gewährleistet, versichern die Beteiligten.

Wer stellt den Nachweis aus?

Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) darf der digitale Impfnachweis nur von autorisierten Personen in Arztpraxen, Krankenhäusern und Impfzentren ausgestellt werden. Für Personen, die bereits geimpft sind, können Ärzte und Apotheker das COVID-Zertifikat nachträglich ausstellen. 

Wie funktioniert das digitale COVID-Zertifikat?

Der Nachweis erfolgt über einen Strichcode, der bei Kontrollen ausgelesen wird. Dieser kann auf dem Smartphone gespeichert werden. Auch die Corona-Warn-App soll mit dem Update 2.3 um diese Funktion erweitert werden. Weitere Apps zur Anzeige des Zertifikats werden derzeit entwickelt. 

Wer kein Smartphone besitzt oder den Nachweis nicht digital speichern möchte, kann diesen auch in Papierform bekommen.

Wie erleichtert das COVID-Zertifikat das Reisen?

Der Nachweis ist in allen EU-Staaten anerkannt und ermöglicht es, dass geltende Freizügigkeitsbeschränkungen wie Quarantänen für Inhaber grundsätzlich aufgehoben werden können. 

Allerdings behält die Regelung den Mitgliedstaaten das Recht vor, auch Inhaber des Zertifikats mit Reisebeschränkungen zu belegen, wenn diese zum Schutz der öffentlichen Gesundheit - beispielsweise bei Auftreten einer neuen bedenklichen Virusvariante - notwendig und verhältnismäßig sind.

Sind Reisen auch ohne Zertifikat möglich?

Ja, die Freizügigkeit ist ein Grundrecht aller EU-Bürger. Über das COVID-Zertifikat können auch Tests vorgelegt werden, die häufig von den Mitgliedstaaten bei Einreise verlangt werden. Akzeptiert werden dabei EU-weit auch die Ergebnisse von bestimmten Antigen-Tests. Die Liste stellt die EU-Kommission als PDF zur Verfügung.

Damit die Mitgliedstaaten die Tests kostengünstig anbieten können, stellt die EU-Kommission 100 Millionen Euro aus dem Soforthilfeinstrument als Fördergeld bereit.

Macht es einen Unterschied, mit welchem Impfstoff geimpft wurde?

Nein. Jeder Geimpfte bekommt ein COVID-Zertifikat. Mitgliedstaaten sind verpflichtet, bei der Aufhebung der Freizügigkeitsbeschränkungen Impfbescheinigungen für Impfstoffe zu akzeptieren, die in der EU zugelassen sind. Eine aktuelle Übersicht über die zugelassenen Impfstoffe bietet die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) auf ihrer Internetseite. 

Zusätzlich können die einzelnen Länder entscheiden, ob sie diese Regelung auch auf Personen ausdehnen, die innerhalb der EU reisen und einen anderen Impfstoff erhalten haben. Ebenfalls obliegt es den Ländern, zu entscheiden, ob sie den Impfnachweis bereits nach einer Dosis akzeptieren oder erst nach Abschluss des Impfzyklus.

Wie lange gilt das Zertifikat für Genesene?

Das Zertifikat für Genesene kann laut Verordnung frühestens elf Tage nach dem ersten positiven NAAT-Test (Nukleinsäure-Amplifikationstest, zum Beispiel PCR-Test) ausgestellt werden und gilt maximal 180 Tage. Die EU-Kommission ist berechtigt, die Gültigkeit jederzeit auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse anzupassen.

Ab wann wird das Zertifikat ausgestellt?

Die Schnittstelle (EU-Gateway), die das Auslesen grenzüberschreitend ermöglicht, ist seit dem 1. Juni 2021 in Betrieb und kann von den Ländern genutzt werden. Sieben Mitgliedstaaten - darunter auch Deutschland - haben sich bereits angeschlossen und mit der Ausgabe der Zertifikate begonnen. 

Laut Bundesregierung soll der Nachweis in Deutschland bis Ende Juni jedem zur Verfügung stehen. Bis zum 1. Juli 2021 soll das System EU-weit vollständig einsatzbereit sein. 

Für Staaten, denen es dann noch nicht möglich ist, das COVID-Zertifikat auszustellen, gibt es bis zum 12. August 2021 noch eine Übergangszeit. Innerhalb dieser sechs Wochen können andere Formate für den Nachweis verwendet werden, die von den Mitgliedstaaten akzeptiert werden sollen.

Aufgrund der sinkenden Infektionszahlen und der Einführung des COVID-Zertifikats haben sich die Mitgliedstaaten zudem auf weitere gemeinsame Kriterien zur Aufhebung der Reisebeschränkungen geeinigt. So wurden zum Beispiel die Gültigkeitsdauer der Tests harmonisiert und die Schwellenwerte für die Karte des European Centre for Disease Control (ECDC) angehoben. Eine Übersicht der geltenden Kriterien ist auf der Internetseite reopen.eu zu finden.

Weitere Fragen zum digitalen COVID-Zertifikat hat die EU-Kommission auf ihrer Webseite beantwortet. 

Das BMG hat zudem eine FAQ-Sammlung zum Thema digitaler Impfausweis speziell für Deutschland zusammengestellt.