Das Arbeiten von zu Hause aus ist während der Pandemie zur Selbstverständlichkeit geworden. Viele Arbeitnehmer gehen aber noch einen Schritt weiter und verlegen kurzerhand ihren Arbeitsplatz an den Strand. Besonders beliebt: Italien, Spanien oder Malta. Doch gerade beim Arbeiten im Ausland gibt es einige arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Stolperfallen. 

Mobile Arbeit aus dem EU-Ausland

Innerhalb der EU gilt grundsätzlich, dass Mitarbeiter den sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften des Mitgliedstaates unterliegen, in dem sie von Beginn an tätig sind. Soll die Arbeit also nur vorübergehend in einem anderen EU-Mitgliedstaat ausgeübt und ansonsten hauptsächlich in Deutschland gearbeitet werden, hat das zunächst keine Auswirkungen auf die Sozialversicherungspflicht in Deutschland. 

Verlegt der Arbeitnehmer seinen Wohnort jedoch dauerhaft ins Ausland und erbringt dann dort auch einen wesentlichen Teil seiner Tätigkeit, nämlich 25 Prozent oder mehr, wird er im ausländischen Wohnortstaat grundsätzlich sozialversicherungspflichtig. 

Mit der A1-Bescheinigung auf der sicheren Seite

Hier ist die Rechtslage bisher nicht ganz eindeutig: Der Mitarbeiter begibt sich nicht auf Weisung des Arbeitgebers an den Urlaubsort, es handelt sich also nicht um eine Entsendung im herkömmlichen Sinn. Doch auch wenn der Mitarbeiter auf eigenen Wunsch vom Urlaubsort aus arbeitet, besteht durch eine A1-Bescheinigung eine unfallversicherungsrechtliche Absicherung. Zudem können Bußgelder vermieden werden, sollten ausländische Behörden nach dortigen Regeln eine A1-Bescheinigung vorsehen. Weitere Informationen für Arbeitgeber bietet die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA) auf ihrer Internetseite.

Das gilt außerhalb der EU

Möchte der Arbeitnehmer mobil aus einem Land außerhalb der EU tätig werden, ist für jedes Land gesondert zu prüfen, ob ein Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und diesem Drittstaat besteht. In solchen Abkommen werden die sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften der beiden Länder koordiniert, um doppelte Beitragszahlungen bei befristeten Aufenthalten zu vermeiden. Bei einer Tätigkeit in Staaten, mit denen kein Abkommen besteht, kommen die gesetzlichen Regelungen des deutschen Sozialversicherungsrechts zur sogenannten Ausstrahlung zur Anwendung (§ 4 SGB IV). Auch wenn nach diesen Regelungen eine Sozialversicherungspflicht in Deutschland besteht, müssen entsendende Arbeitgeber prüfen, ob die entsprechenden Vorschriften des anderen Staates auch zu einer Versicherungspflicht in den einzelnen Zweigen der Sozialversicherung des Mitarbeiters dort führen - somit kann es zu doppelten Beiträgen kommen. 

Empfehlung: Klärung im Einzelfall

"Es empfiehlt sich, im Vorfeld genau zu prüfen, welcher sozialversicherungsrechtliche Status des Mitarbeiters für den konkret vorliegenden Fall besteht. Dies gilt sowohl bei einer geplanten vorübergehenden Auslandstätigkeit in einem EU-Mitgliedstaat als auch in einem Drittstaat. Ansonsten drohen Korrekturen und Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen im In- oder Ausland - und die lassen sich vermeiden", rät Unternehmensberaterin Christiane Droste-Klempp im Webinar der TK zum Thema "Homeoffice". Daneben seien zwingend steuerrechtliche Fragen abzuklären, insbesondere auch nach einer möglichen Betriebsstätte im Ausland, empfiehlt die Expertin.

Bestandsschutz für Grenzgänger

Laut der DVKA ergeben sich für "bestehende" Grenzgänger, die aufgrund der Pandemie im Homeoffice von ihrem Heimatland aus arbeiten, statt über die Grenze zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln, keine Änderungen der Sozialversicherung. 

Weitere Hinweise zum Thema "Homeoffice" finden Sie in der Aufzeichnung des TK-Webinars mit Christiane Droste-Klempp und Peter Rambach. Eine Übersicht über unsere Webinare 2021  finden Sie auf unserer Webinarseite.