Eine Bewerberin schloss mit einem Unternehmen, bei dem sie gern arbeiten wollte, eine "Kennenlern-/Praktikums-Vereinbarung". Das unbezahlte Praktikum dauerte einen Tag und umfasste Gespräche, eine Betriebsführung, einen fachlichen Austausch und eine Besichtigung. Bei der Besichtigung stürzte die Bewerberin und brach sich einen Arm.

Die Unfallversicherung war nicht der Meinung, dass es sich um einen Arbeitsunfall handelte: Es habe kein entsprechendes Arbeitsverhältnis vorgelegen, auch keine "Wie-Beschäftigung". Und es handele sich auch weder um eine Ausbildung noch um eine Fortbildung und die Bewerberin sei auch nicht im Rahmen einer Betriebsbesichtigung versichert gewesen. Die Vorinstanzen, bei denen der Fall verhandelt wurde, bestätigten diese Auffassung.

BSG: Bewerberin unter dem Schutz der Unfallversicherung

Die Bewerberin ging in Revision und berief sich darauf, dass es eine ausdrückliche vertragliche Vereinbarung gegeben habe. Das Bundessozialgericht gab ihr Recht: Sie war zwar weder als Beschäftigte noch als Wie-Beschäftigte versichert gewesen, stand aber dennoch unter dem Schutz der Unfallversicherung (gemäß deren Satzung) - nämlich als Teilnehmerin einer Betriebsbesichtigung. 

Sie habe eine einem fremden Unternehmen dienende, dem wirklichen oder mutmaßlichen Willen des Unternehmens entsprechende Tätigkeit von wirtschaftlichem Wert erbracht. Außerdem habe Versicherungsschutz als Teilnehmerin einer Betriebsbesichtigung oder Praktikantin kraft Satzung der Unfallversicherung bestanden. Dabei kam es für die Beurteilung der Versicherteneigenschaft vor allem auf den letzten Teil des Kennenlerntags an: Bei der Besichtigung eines speziellen Lagers erlitt sie den Unfall. Diese Besichtigung gehört zur geschlossenen Vereinbarung. Dass die Bewerberin dabei auch den Arbeitgeber besser kennenlernen wollte, "steht der Annahme einer versicherten Tätigkeit nicht entgegen", so das BSG. Die Teilnahme an einer Besichtigung habe genügt. 

Unternehmen sollen nach der Satzungsregelung auf diesem Weg umfassend von erhöhten Haftungsrisiken freigestellt werden, die durch Besichtigungen entstehen. Das umfasst auch Bewerber bei Vorstellungsgesprächen, soweit sie das Unternehmen besichtigen.