Mit dem neuen Qualifizierungschancengesetz will die Bundesregierung Beschäftigte dazu anregen, ihre beruflichen Kompetenzen zu erweitern - vor allem im Hinblick auf den digitalen Wandel. 

Recht auf Weiterbildung

Durch Weiterbildungen sollen Arbeitnehmer so unterstützt werden, dass sie dem zunehmend digitalisierten und automatisierten Arbeitsmarkt gewachsen sind. Das soll für alle Beschäftigten gelten, unabhängig von ihrer Ausbildung, ihrem Alter oder der Größe des Unternehmens, in dem sie arbeiten. Mit dem neuen Gesetz erhalten Arbeitnehmer nun das Recht auf Weiterbildungsberatung bei der Agentur für Arbeit.

Auch Arbeitgeber können sich beraten lassen: Die neue Qualifizierungsberatung soll Anpassungs- und Qualifizierungsbedarfe im Unternehmen transparent machen.

Finanzielle Förderung

Zusätzlich zu den bisherigen "Umschulungen" sollen jetzt auch Weiterbildungen finanziell gefördert werden, die die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer erhalten oder erweitern. Die Arbeitsagentur trägt dann einen Teil der Weiterbildungskosten, sofern sich auch der Arbeitgeber an den Kosten beteiligt. Arbeitgeber können außerdem Lohnkostenzuschüsse erhalten, wenn der Beschäftigte während der Weiterbildung freigestellt wird und weiter seinen Lohn bekommt. Weitere Voraussetzungen für eine finanzielle Förderung sind:

  • Die vermittelten Kompetenzen gehen über rein arbeitsplatzbezogene, kurzfristige Anpassungsfortbildungen hinaus.
  • Der Beschäftigte hat seinen Ausbildungsabschluss vor mindestens vier Jahren erworben, und seine Ausbildung hat mindestens zwei Jahre gedauert.
  • Die letzte Weiterbildung, die nach dem neuen Gesetz gefördert wurde, liegt mindestens vier Jahre zurück.
  • Die Weiterbildung wird außerhalb des Unternehmens durchgeführt oder intern von einem zugelassenen Träger, und sie dauert mindestens 160 Stunden.
  • Maßnahme und Träger der Maßnahme sind für die Förderung zugelassen.

Arbeitgeber müssen sich "in angemessenem Umfang an den Lehrgangskosten beteiligen", so das Gesetz. Die konkrete Beteiligung ist abhängig von der Unternehmensgröße:

  • Arbeitgeber mit zehn bis 250 Mitarbeitern müssen mindestens 50 Prozent der Kosten tragen.
  • Arbeitgeber mit 250 bis 2.500 Mitarbeitern müssen mindestens 75 Prozent der Kosten tragen.
  • Arbeitgeber mit 2.500 oder mehr Mitarbeitern müssen mindestens 85 Prozent der Kosten tragen.

Der Hintergrund des neuen Gesetzes

Nach Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) steigt der Anteil der Jobs, die durch Maschinen und neue Technologien ersetzt werden könnten, weiter an. 2016 lag er bereits bei 25 Prozent - 2013 waren es noch 15 Prozent. Fertigungsberufe sind noch stärker betroffen: Dort lag der Anteil 2016 sogar bei bis zu 83 Prozent. Bis 2025 sollen außerdem rund 2,1 Millionen neue Jobs entstehen - mit völlig neuen Anforderungen an die Arbeitnehmer. Daher will die Bundesregierung mit dem neuen Gesetz dafür sorgen, dass die Beschäftigten von heute auch die Arbeit von morgen machen können, so Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Es gehe darum, aus technologischem Wandel sozialen Fortschritt zu machen.

Den Gesetzentwurf finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).