"Zwar ticken Deutsche und Amerikaner sehr ähnlich, wenn es um Kommunikation und Arbeitskultur geht", erklärt Antje Brügmann, Geschäftsführerin bei PROPELLO Coaching und designierte Präsidentin der International Coaching Federation Deutschland (IFC-D). Der Teufel stecke aber im Detail, beispielsweise im Small Talk oder in der Äußerung von Kritik.  

Mehr Zeit für Small Talk einplanen

Vielen US-Amerikanern ist ein harmonisches Arbeitsumfeld mit einem angenehmen sozialen Umgang sehr wichtig. "Anders als bei uns wird sowohl im privaten als auch geschäftlichen Kontext selbstverständlicher zum Beispiel über das Wetter, Filme oder Football geplaudert. Das hat Vorteile: Small Talk erleichtert Einstiege, schafft Vertrauen und räumt Peinlichkeiten aus dem Weg", so Brügmann. 

Die Expertin rät deswegen dazu, sich - auch bei Videokonferenzen - im Austausch mit Amerikanern etwas mehr Zeit zu nehmen als bei inländischen Geschäftspartnern üblich. Ein zu schneller Themeneinstieg wirke online wie offline kühl und distanziert. "Seien Sie herzlich und zeigen Sie mit ein paar Fragen Interesse, bevor Sie zum eigentlichen Thema überleiten."

Kontroverse Themen? Lieber nicht!

Bestimmte Themen sollten Deutsche im Gespräch mit US-Gesprächspartnern allerdings eher vermeiden. Dazu zählen laut Antje Brügmann politische Positionen, die Präsidentschaftswahl oder gesellschaftliche Debatten wie Rassismus. "Sprechen Sie von sich aus kein Thema an, das sehr kontrovers diskutiert wird oder eine Schlüsselrolle in der aktuellen Spaltung der amerikanischen Gesellschaft spielt“, rät Brügmann. 

Werde man jedoch von den amerikanischen Gesprächspartnern zu kontroversen Debatten nach der Meinung gefragt, sei es sinnvoll, diese zu äußern. "Wägen Sie dabei ab, mit wem Sie sprechen. Im Zweifelsfall geben Sie eine allgemeine Meinung wieder, so bleiben Sie auf neutralem Boden", so die Expertin. 

Loben hui, Kritik pfui

In den USA wird am Arbeitsplatz deutlich mehr gelobt als in Deutschland. Kritik werde hingegen lieber versteckt zwischen positiven Aspekten und in jedem Fall vorsichtig formuliert, erklärt Antje Brügmann. "Vermeiden Sie so gut möglich die direkte Ansprache mit ‘you‘. Greifen Sie stattdessen auf neutrale Formulierungen wie ‘unfortunately’ oder ‘it seems that‘ zurück", so die Expertin.

Generell gelte aber: "Regeln Sie Unstimmigkeiten - wie bei uns auch - lieber im Nachhinein unter vier Augen." In der virtuellen Zusammenarbeit bietet sich dafür ein persönlicher Videoanruf an.

Trotz aller Tipps und Vorbereitung kann doch immer mal wieder etwas schiefgehen, gibt Antje Brügmann zu bedenken. "Kennen Sie die kulturellen Feinheiten, verstehen Sie Ihr Gegenüber besser und können in ungewohnten Gesprächssituationen flexibler reagieren. Ansonsten helfen Charme, Offenheit und Lernbereitschaft in jeder internationalen Zusammenarbeit über kulturelle Fauxpas hinweg."