"Roam like at home"

Betreiber von Mobilfunkdiensten sollen nun sicherstellen, dass die Verbraucher Zugang zu 4G- oder fortschrittlicheren 5G-Netzen haben, sofern diese am Zielort verfügbar sind. Damit soll die Leistung von Mobilfunknetzen im Ausland mit der gleichen Qualität wie im jeweiligen Heimatland gewährleistet werden.

Außerdem müssen Roaming-Anbieter über das Risiko zusätzlicher Entgelte bei der Nutzung von ansonsten kostenlosen Diensten, wie Kundendienstnummern, Helpdesks oder Versicherungsgesellschaften, informieren. Ab dem 1. Juni 2023 sind in einer Willkommens-SMS auch Informationen hierzu bereitzustellen. Über die angepasste Roaming-Regelung berichtet die Bundesnetzagentur.

Vermeidung versteckter Kosten

Vorsicht ist geboten bei Urlaubs- und Geschäftsreisen in die Schweiz, die Türkei, Großbritannien oder Monaco. Hier gilt die EU-Roaming-Regelung nicht. Zudem können auf Kreuzfahrtschiffen, Fähren und in Flugzeugen hohe Zusatzkosten entstehen, wenn sich Mobiltelefone in nicht-terrestrische Netzwerke (automatisch) einwählen. Auch hier sind die Betreiber dazu verpflichtet, die Verbraucher darüber zu informieren, sobald ein Smartphone in ein satellitengestütztes Bordnetz wechselt, und die Datenübertragung zu unterbrechen, sobald die Kosten eine bestimmte, vordefinierte Grenze überschreiten. Die gesetzliche Kostenobergrenze liegt aktuell bei 50 Euro (in Deutschland inkl. Mehrwehrsteuer: 59,50 Euro). 

Ausnahmen bei der Auslandsnutzung

Die Abschaffung der zusätzlichen Gebühren auf den heimischen Tarif bei Roaming im EU-Ausland wurde grundsätzlich ohne zeitliche Begrenzung des Aufenthalts eingeführt. Jedoch sind Einschränkungen möglich. Es gibt immer noch Tarife am Markt, die kein Roaming beinhalten. In solchen Fällen kann kein Roaming - auch nicht gegen Gebühr - genutzt werden. 

Weiterhin ermöglicht die sogenannte "Fair Use Policy" den Mobilfunkbetreibern, Missbrauch oder eine zweckentfremdete dauerhafte Nutzung von Roaming-Diensten zu verhindern. So kann es ab einem gewissen Datenverbrauch oberhalb des "Fair Use Limits" zu Aufschlägen kommen. Wer sich überwiegend (mehr als zwei Monate im Beobachtungszeitraum von vier Monaten) im EU-Ausland aufhält und die SIM-Karte vorrangig im Ausland nutzt, muss je nach Betreiber mit Nachfragen rechnen. Wird innerhalb einer zweiwöchigen Frist keine Klärung der Situation vorgenommen, kann der Anbieter zusätzliche Kosten erheben. 

Außerdem können Aufschläge erfolgen, wenn auf Verlangen des Betreibers keine stabile Bindung zum Heimatland nachgewiesen wird. Bei bereits bestehenden Verträgen sollte dieser Nachweis nur dann verlangt werden, wenn sich Anzeichen für eine missbräuchliche Nutzung ergeben. Bei anonymen Prepaid-Verträgen kann der Betreiber den Nachweis allerdings schon verlangen.

Notrufe auf Reisen

Eine neue Vorschrift sieht vor, dass die Bürger die einheitliche EU-Notrufnummer 112 kennen, die sie überall in der EU kostenlos nutzen können, um Notdienste zu erreichen. Bis Juni 2023 sollten Betreiber ihren Kunden bei Auslandsreisen automatisch Nachrichten übermitteln, die sie über diese und alternative Möglichkeiten zum Erreichen von Notdiensten informieren, zum Beispiel über Echtzeit-SMS oder via Apps.