Aufgrund der demografischen Entwicklung müssen Arbeitnehmer vermehrt auch Familienangehörige pflegen. Zwei Drittel aller pflegebedürftigen Menschen werden in ihrem Zuhause versorgt. Die Doppelbelastung durch innerfamiliäre, oft ungeplant eintretende Pflegefälle führt dazu, dass die klassische Trennung von Arbeit und Familie langsam aufbricht - und leider auch dazu, dass Angehörige häufig unter der Doppelbelastung erkranken. 

Darauf müssen Unternehmen reagieren, wenn sie ihre gut qualifizierten Mitarbeiter halten wollen. Denn seelische und körperliche Ausgeglichenheit sorgen nicht nur für effektives Arbeiten, sondern tragen auch zur Stabilität eines Unternehmens bei. 

Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen dürfen im Wettbewerb um motivierte Mitarbeiter nicht zurückstehen. Deswegen zeichnet spectrumK unter der Schirmherrschaft von Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Unternehmen aus, die innovative Ansätze zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf gefunden haben. 

Praxisbeispiele: von preisgekrönten Projekten lernen

Die Preisträger des Otto Heinemann Preises 2018 haben dazu bereits kluge Lösungen gefunden:

Oberlandesgericht Köln: passgenaue und nachhaltige Angebote

Im Oberlandesgericht Köln wird seit Mai 2013 ein systematisches Gesundheitsmanagement betrieben. Das Verständnis für schwierige Lebenssituationen spielt hierbei eine wichtige Rolle - und in diesem Zusammenhang nicht zuletzt die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. 

Die Informationen und Angebote sind passgenau auf die Organisation und die vorliegenden Bedürfnisse zugeschnitten. Vorträge, Selbsthilfegruppen, Gesundheitscoachings und Sozialberatungen finden während der Arbeitszeit statt und sind für alle Bediensteten kostenfrei. Ein speziell für die Beschäftigten und Beamten der Justiz NRW entwickelter Ratgeber zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erleichtert einen schnellen Zugriff an Informationen. Insbesondere die Selbsthilfe-(Angehörigen-)gruppen sind ein nachhaltiges Angebot zur Gesundheitsförderung und gehen damit über die einmalige Beratung, etwa durch einen Pflegelotsen, hinaus. 

Eine Evaluierung des Projekts konnte bereits belegen, dass sich die Gesundheit der Teilnehmenden verbessert hat. 

LVM Versicherung: Orientierung an den Lebensphasen der Mitarbeiter

In der Unternehmenszentrale der LVM Versicherung aG arbeiten rund 3.600 Menschen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise Pflege ist nicht nur in der Mitarbeiterstrategie verankert, sondern auch gelebte Kultur und wird vom Vorstand unterstützt. 

Das Unternehmen orientiert sich mit seinen Konzepten und Maßnahmen an den Lebensphasen der Mitarbeiter. Dazu gehören Sozialberatung, Gesundheitsförderung, alternierende Arbeitsplätze, Homeoffice, flexible Teilzeitmodelle und Gleitzeit. 

In der Sozial- und Pflegeberatung werden neben der Pflegesituation auch die Psyche und die Sorgen der Betroffenen betrachtet. So lassen sich individuelle Hilfestellungen erarbeiten, wie zum Beispiel eine befristete Teilzeit, mehr Homeoffice-Tage, eine unbezahlte Freistellung oder die kurzfristige Nutzung der Pflegezeiten. Die Vertraulichkeit der Gespräche hat dabei höchste Priorität. 

Henkel AG & Co. KGaA: Beratung und Betreuung seit 1912

Das Unternehmen Henkel AG & Co. KGaA beschäftigt allein am Standort Düsseldorf rund 5.500 Mitarbeiter, von denen etwa 530 ältere Angehörige betreuen. 

Bereits seit 1912 werden hier Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen über die hauseigenen Sozialen Dienste beraten und betreut. Strukturierte Navigationshilfen und Unterstützungsangebote sind die Voraussetzung für gelingende Pflegearrangements. Das kostenfreie Angebotsportfolio der firmeninternen Sozialen Dienste wird ständig erweitert. 

Henkel ist in vielen Themenkomplexen aktiv. Darunter: Beratung zu Pflegebedürftigkeit und -hilfsmitteln, Hilfestellung bei der Pflegeeinstufung, Vermittlung von ambulanten Pflegekräften und mobilen Hilfsdiensten, Unterstützung bei Fragen zur stationären Tagespflege und Heimunterbringung, Beratung zu alternativen Wohnformen wie etwa dem begleiteten Wohnen in der Dr. Konrad-Henkel-Wohnanlage, Informationen über Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige sowie die Vermittlung von Kontakten und Freizeitmöglichkeiten. 

Das mehrstufige Unterstützungssystem besteht aus individueller Beratung, begleitenden Gruppenangeboten, Infoveranstaltungen, externen Netzwerken zu stationären und ambulanten Einrichtungen sowie einer arbeitgeberfinanzierten Pflegezusatzversicherung für Mitarbeiter und deren Angehörige. Hervorzuheben ist "Care Support - Pflegebegleitung im Unternehmen", ein Gruppenangebot für Mitarbeiter und Pensionäre mit pflegebedürftigen Angehörigen zur Unterstützung und Kompetenzentwicklung. 

Seien Sie dabei: Noch bis zum 14. Juni 2019 bewerben!

Wenn Ihr Unternehmen seine Beschäftigten mit Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unterstützt, können Sie sich noch bis zum 14. Juni 2019 online bewerben.  

Prämiert wird die gute Balance von Beruf und Pflege: 

  • Wie gelingt es Ihrem Unternehmen, wirtschaftlichen Erfolg und pflegefreundliche Personalpolitik als Unternehmensphilosophie zu gestalten? 
  • Welche Ideen und Modelle existieren bereits in Ihrem Haus und was ist geplant?

Alle Unternehmen, die die fachkundige Jury für den Otto Heinemann Preis nominiert, werden am 7. November 2019 im Rahmen der 6. Berliner Pflegekonferenz dem Konferenzpublikum vorgestellt. Die Preisträger werden bei einer feierlichen Abendveranstaltung verkündet. 

Die nominierten Unternehmen profitieren von einer engen Einbindung in die Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Pflegekonferenz und können während der Konferenz exklusive Angebote nutzen, um ihr Netzwerk und ihr Know-how zum Thema Pflege auszubauen.