Rückgang der Nachfrage, gestörte Lieferketten, Grenzkontrollen und -schließungen Transportschwierigkeiten - die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben seit März 2020 in Deutschland zu einem drastischen Einbruch der Im- und Exporte geführt. Besonders davon betroffen waren kleine und mittlere Mittelstandsunternehmen, die einen Teil ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften. Das geht aus dem KfW-Internationalisierungsbericht 2021 hervor. 

Auslandsaktive hatten deutlich häufiger Umsatzrückgänge (über 75 Prozent), Verkleinerungen des Absatzgebietes (33 Prozent) und Lieferkettenstörungen (20 Prozent). Im Vergleich dazu verzeichneten bei Mittelständlern, die ausschließlich im Inland tätig sind, 60 Prozent Umsatzeinbußen, bei 12 Prozent reduzierte sich das Absatzgebiet und 15 Prozent waren von gestörten Lieferketten betroffen.

Zweigeteilte Entwicklung bei Absatzmärkten

Vor dem Hintergrund der Krisenerfahrung wird sich die internationale Vernetzung des Mittelstandes nachhaltig verändern. Laut dem KfW-Bericht lässt sich dabei eine zweigeteilte Entwicklung beobachten. So geben 40 Prozent der im Ausland aktiven Unternehmen an, sich in Zukunft vermehrt auf den inländischen Absatzmarkt fokussieren zu wollen. Dies ist besonders bei Unternehmen der Fall, die bisher wenige ausländische Märkte bedient haben.

Vor allem größere und exporterfahrenere Unternehmen setzen hingegen auf die Diversifizierung der Absatzmärkte. So planen 23 Prozent, in den nächsten Jahren weitere Auslandsmärkte zu erschließen. Besonders an Bedeutung gewinnen dabei europäische Länder mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs, heißt es in dem Bericht. Aber auch Schwellen- und Entwicklungsländer könnten eine größere Rolle spielen.

Krisenfeste Lieferketten? Nicht um jeden Preis!

Neben der Corona-Krise hat auch die tagelange Blockade des Suezkanals die Anfälligkeit der Lieferketten verdeutlicht. Dennoch sind viele mittelständische Unternehmen nicht bereit, für eine widerstandsfähigere Lieferkette auf Kosten- oder Effizienzvorteile zu verzichten. Grund hierfür seien laut KfW-Bericht der Wettbewerbsdruck im internationalen Umfeld sowie der kurzfristige Zwang zur Gewinnerzielung.

Planen Unternehmen eine Anpassung der Lieferkette, rückt auch hier der inländische Markt verstärkt in den Fokus. So haben sich 30 Prozent der Mittelständler vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren vermehrt auf Lieferanten aus Deutschland zu setzen. Hingegen wollen zehn Prozent ihre Einkäufe im Ausland stärker diversifizieren. Sich aus der globalen Wertschöpfungskette ganz zurückzuziehen, ist für die meisten Unternehmen keine Option - lediglich sechs Prozent wollen künftig auf internationale Beschaffung verzichten.