"Viele denken: Ich bin dann Rassist, wenn ich das N-Wort verwende. Dabei beginnt Rassismus im Unternehmen schon bei unabsichtlichen Verhaltensweisen, wie zum Beispiel der Frage: Woher kommst du eigentlich?", weiß Antar Keith, der als Englischlehrer unter anderem NATO-Personal in Deutschland unterrichtet. Wichtiger Bestandteil seines interkulturellen Sprachunterrichts sind Diskussionen über Rassismus, Sexismus und Homophobie. Zudem hält er Vorträge und setzt sich gegen strukturelle Diskriminierung ein.

Vor allem am Arbeitsplatz gibt es nach Ansicht des Experten gute Chancen, versteckte Diskriminierung zu erkennen und ihr frühzeitig zu begegnen. "Für Personalverantwortliche ist es wichtig, sensibel zu sein für die kleinen, kaum sichtbaren Anzeichen. Überprüfen Sie kritisch Ihre Unternehmenskultur, Ihre interne Kommunikation und Personalpolitik und gehen Sie gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeitern das Thema offen an", empfiehlt Keith als ersten Schritt. 

Anzeichen erkennen? Hier gibt es Hilfe

Doch wie erkennt man versteckten Rassismus am Arbeitsplatz? Um sensibler zu werden für erste Anzeichen im Unternehmen, bieten zahlreiche Veranstalter interkulturelle Workshops für Belegschaften oder Führungskräfte an. 

Keith setzt in seinen Kursen einen Schwerpunkt in der Verwendung der korrekten Begriffe: "In der deutschen Sprache sind viele Wörter einfach aus dem Englischen übernommen worden. In Deutschland werden sie aber manchmal ganz anders verstanden - auch aus historischen Gründen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Wort ‘Rasse‘ als Übersetzung für ‘race‘."

BIPoC - ein neuer Begriff setzt sich durch

Was bisher ebenfalls fehlt, ist ein Wort für die Menschen, um die es geht. Schwarze? Menschen mit Migrationshintergrund? "Inzwischen hat sich international ein Begriff etabliert, der von den Betroffenen auch in Deutschland verwendet wird: "BIPoC - das steht für Black, Indigenous and People of Colour", erklärt der Experte, der selbst zu dieser Gruppe gehört und auf eigene Rassismuserfahrungen zurückgreifen kann. 

Weitere Tipps für die Praxis

BIPoC als Beauftragte benennen

BIPoC sind nach Angaben Keiths eine ideale Besetzung für den Antidiskriminierungsbeauftragten im Unternehmen. "Bestenfalls sollte diese Person als Mediator ausgebildet sein und rassismus-kritisches Denken gelernt haben", so Keith. Auf diese Weise sei sichergestellt, dass alle Firmenangehörigen einen empathischen, fachlich versierten Ansprechpartner haben.

Richtig kritisieren 

Ein Schlüssel für eine diskriminierungsfreie Kommunikation liegt laut Keith in einer besseren Feedback-Kultur. "Wann immer es etwas zu kritisieren gibt, gilt: Kritisieren Sie nicht die Person, sondern das Verhalten. Damit zeigt man: Hier liegt die Chance, etwas zu ändern."

Rechtliche Folgen beachten

Arbeitnehmer sollten sich bewusst sein, dass rassistisches Verhalten arbeitsrechtliche Konsequenzen hat. Die gesetzliche Grundlage bilden unter anderem Artikel 12 AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) sowie die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers nach § 618 BGB. Von der Abmahnung bis zur ordentlichen oder außerordentlichen Kündigung kommen zahlreiche Sanktionen in Betracht. Das bestätigen aktuelle Urteile des Verwaltungsgerichts Hannover und des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg.

Charta der Vielfalt

Unterzeichner der Charta der Vielfalt sind Mitglied im größten Netzwerk für Diversity Management und erhalten hilfreiche Informationen und Neuigkeiten, um ihr Diversity Management zu verbessern. Ziel der 2006 gegründeten Arbeitgeberinitiative ist es, die Diversität in der Arbeitswelt in Deutschland voranzubringen. 

TK-Workshops und e-Guide zur Willkommenskultur

Der TK-Service Ausland unterstützt Firmen unter firmenkunden.tk.de mit internationalen Belegschaften durch zahlreiche Services rund um die internationale Beschäftigung: zum Beispiel durch die TK-Workshops "Vielfalt gewinnt!" , TK-Webinare  und den e-Guide zur Willkommenskultur , der Führungskräften bei der Integration von Mitarbeitern hilft.