Auch wenn das Reisen mit der Bahn oder dem Flugzeug wieder deutlich an Attraktivität gewinnt, hat sich die Situation an Flughäfen und Bahnhöfen immer noch nicht spürbar entspannt. Durch mangelndes Personal an den Check-ins und bei den Sicherheitskontrollen verpassen viele Geschäftsreisende ihre Anschlüsse, oder Verbindungen werden komplett gestrichen. Zudem geht auch vermehrt Gepäck auf Geschäftsreisen verloren.

Welche Rechte bei Verspätungen und Ausfällen?

Folgende Maßnahmen sollten Flugreisende laut Volker Henn-Anschütz, Reiserechts-Experte und Seniorpartner bei Schumacher und Partner , bei Ausfällen ergreifen, um Anspruch auf Schadenersatz zu haben: "Erstens mindestens drei Stunden vor Abflug eintreffen, zweitens bei Ankunft Beweis zur Ankunftszeit sichern, zum Beispiel mit Fotos vom Flughafen oder Abflugtafeln mit Zeitstempel oder ein Parkticket." 

Laut Fluggastrechteverordnung gibt es eine pauschalisierte Entschädigung, deren Höhe von der Entfernung des gebuchten Fluges abhängt: bei mehr als drei Stunden für Kurzstrecken (bis 1.500 km) eine Entschädigung von 250 Euro, bei Mittelstrecken (bis 3.500 km) 400 Euro und bei Langstrecken 600 Euro. 

Hat ein Zug über eine Stunde Verspätung, können Reisende ihren Trip abbrechen und bekommen die Kosten erstattet. So kommt die sogenannte Fahrpreisentschädigung zum Einsatz: Bei einer Verspätung von einer bis zwei Stunden werden 25 Prozent des (Einzel-)Fahrpreises erstattet, bei mehr als zwei Stunden sogar 50 Prozent. Bei über 60 Minuten Verspätung müssen außerdem kostenlose Mahlzeiten und Erfrischungen im angemessenen Rahmen angeboten werden. Auch eine Ersatzbeförderung (zum Beispiel nachts per Taxi) und der Anspruch auf eine kostenlose Hotelunterkunft sind gewährleistet.

Diese Ansprüche können an die Luftfahrtgesellschaft oder das Eisenbahnunternehmen gestellt werden.

Wichtig: Reisezeit gilt als Arbeitszeit

Sofern es möglich ist, muss der Reisende auch bei unverschuldeten Verspätungen von unterwegs arbeiten. Im Arbeitsrecht gilt der Grundsatz: kein Lohn ohne Arbeit. Anfallende Kosten wie beispielsweise Verbindungsgebühren kann der Arbeitgeber nachträglich bei der Fluggesellschaft einfordern. 

Gepäckverlust bei Geschäftsreisen

Kommt es zu Gepäckverlusten während einer Geschäftsreise, sollten sich Reisende umgehend am Lost-&-Found-Schalter melden. Wichtig: Dies sollte man vor Verlassen des Flughafens tun, denn nur so besteht der Anspruch auf Fluggastentschädigung und Flugpreisminderung. 

Außerdem ist es ratsam, einen sogenannten "PI-Report" auszufüllen und sämtliche Belege für den Kauf von Ersatzkleidung aufzubewahren. 

Um die Haftung der Airline bei wertvollem Gepäck zu erweitern, kann das Gepäck auch gegen eine Zuzahlung gesondert deklariert werden.

Laut Fluggastverordnung gibt es keinen Unterschied zwischen Privat- und Dienstreisen, da sie ausschließlich vom "Fluggast" als Anspruchsinhaber spricht. Die Entschädigung auf Dienstreisen steht also grundsätzlich dem Arbeitnehmer zu. Gleiches gilt für das Reisen mit der Bahn, unabhängig davon, wer die Reise bezahlt oder gebucht hat. Das bedeutet aber auch, dass die reisende Person selbst ihre Ansprüche geltend machen muss, um Ausgleichszahlungen oder Erstattungen zu erhalten. 

Einige Firmen lassen sich bei Geschäftsreisen die Entschädigungsansprüche ihrer Mitarbeitenden abtreten. Diese Vereinbarung muss allerdings in der Reiserichtlinie, im Dienstreiseantrag oder sogar direkt im Arbeitsvertrag verankert sein.

Reiserecht für Unternehmen und Arbeitgeber

Für folgende Punkte kann der Arbeitgeber für den durch eine Flugverspätung entstandenen Aufwand Schadensersatz fordern:

  • Kosten für verlorene Arbeitszeit inklusive der Sozialversicherungsbeiträge,
  • Überstundenzuschläge und andere Zuschläge, die dem Arbeitnehmer aufgrund der Verspätung zustehen,
  • Vertragsstrafen wegen nicht eingehaltener Termine und
  • Entgangene Umsätze (zum Beispiel für einen verpassten Beratungseinsatz).

Im Gegensatz zur Entschädigung nach der Fluggastverordnung gibt es für Schadensersatz nach dem Montrealer Übereinkommen keine Pauschalen. Das bedeutet, der Arbeitgeber muss konkret nachweisen können, welcher Verlust ihm durch die Flugverspätung auf der Dienstreise entstanden ist. Der maximale Schadensersatz für Flugverspätungen beträgt aktuell pro Passagier etwa 5.900 Euro.

Noch Fragen? Hier finden Sie weitere Infos

Weitere Informationen zu Fluggastrechten finden Sie zum Beispiel auf der Seite der Bundesregierung oder auf der beim Eisenbahn-Bundesamt.