In der Psychologie steht Resilienz für die Widerstandsfähigkeit gegenüber besonderen Belastungen und damit die Fähigkeit, Krisen ohne dauerhafte Beeinträchtigungen zu meistern und sich von ihnen zu erholen. Noch wird der Begriff vorwiegend auf einzelne Personen bezogen (individuelle Resilienz). Weniger bekannt ist, dass Resilienz-Strategien auch Unternehmen bzw. Organisationen helfen können, Krisensituationen besser zu begegnen.

Im Interview mit dem Fachmagazin PROTECTOR sprach Prof. Dr. André Röhl, Studiengangsleiter Sicherheitsmanagement an der Northern Business School (NBS) über sein Verständnis organisationaler Resilienz. Dem Experten zufolge sollte Resilienzaufbau als die gesamte Organisation betreffende Aufgabe verstanden und entsprechend als Teil der Unternehmenskultur etabliert werden. "Umso höher die Bewältigungskompetenz insgesamt, desto besser kann sich das Krisenmanagement auf die kritischen Themen konzentrieren", so Röhl.

Resilienzmodell zieht Lehren aus der Corona-Pandemie

Am Beispiel der Corona-Pandemie haben die Northern Business School und die KR Krisensicher Risikoberatung ein vierstufiges Resilienzmodell entwickelt, um Lehren für künftige Krisen abzuleiten. Entscheidend sei unter anderem, nicht erst im akuten Ausnahmezustand Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu ergreifen. Stattdessen gehe es darum, drohende Risiken rechtzeitig zu ermitteln und frühzeitig flexibel und adäquat zu reagieren. Ein simples Beispiel im Zusammenhang mit Corona seien Organisationen, die bereits vor dem Lockdown alle Voraussetzungen geschaffen hatten, Teamsplitting oder Home-Office Regelungen ohne größere Einschränkungen zu implementieren.

Neben dem präventiven Gedanken betonen die Forscher jedoch, dass Resilienz immer auch leistungsfähige Strukturen für den eigentlichen Ausnahmezustand, also ein zielgerichtetes und gleichzeitig adaptionsfähiges Krisenmanagement, einschließe.

Das zitierte Resilienzmodell bezieht alle relevanten Akteure innerhalb und außerhalb der Organisation ein - beginnend beim einzelnen Mitarbeitenden. So sieht es zum einen agile interne Entscheidungsprozesse, wirkungsvolle innerbetriebliche Kommunikationsstrukturen und -netzwerke sowie die Befähigung von Mitarbeitenden zu eigenverantwortlichem Handeln vor (Nano- und Mikro-Resilienz). Zudem gehören ein wirkungsvolles Krisen- und Business Community Management (Meso-Resilienz) sowie die aktive Kooperation mit anderen Unternehmen (Makro-Resilienz) zur gegenseitigen Stabilisierung aus Sicht der Forscher zu den Eckpfeilern organisationaler Resilienz.

Organisationale Resilienz aufbauen - aber wie?

Röhl und Kollegen raten vor dem Hintergrund der jüngst auf uns hereingebrochenen Krisen also neben der Etablierung und ggf. Stärkung des professionellen Krisenmanagements zum Aufbau organisationaler Resilienz - verstanden als das gesamte Unternehmen umfassende Aufgabe.

Neben ihrer primär wissenschaftlichen Betrachtung des Themas, liefert die TK im Online-Nachschlagewerk TK-Lex einige praktische Impulse, die Unternehmen beim Resilienzaufbau helfen können, ebenfalls ausgehend von einem ganzheitlichen Verständnis von organisationaler Resilienz.

Hilfreiche Strategien können zum Beispiel sein: 

  • Analyse der eigenen Stärken und Schwächen
  • Reduktion von Risiken, Aufbau von Kraftquellen und Reservesystemen
  • Krisenszenarien durchdenken, Frühwarnsysteme aufbauen, Aktionspläne für die gravierenden Risiken Aktionspläne erstellen
  • Problemlösefähigkeiten von Mitarbeitenden, Führungskräften und Teams stärken
  • Resilienz der Führungskräfte fördern
  • Resilienz in die Personalauswahl und - entwicklung integrieren
  • Gemeinsame Werte entwickeln und eine Kultur der gegenseitigen Unterstützung leben