Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) legt fest, dass Stellenanzeigen neutral formuliert werden müssen. 

Das betrifft mögliche Benachteiligungen aufgrund

  • der ethnischen Herkunft 
  • des Geschlechts
  • der Religion oder Weltanschauung
  • einer Behinderung
  • des Alters oder
  • der sexuellen Identität.

Im gesamten Text der Stellenanzeige dürfen Unterscheidungsmerkmale, die nach dem AGG verboten sind, weder direkt noch indirekt eine Rolle spielen. So soll Chancengleichheit gefördert und der Bewerberkreis erweitert werden.

Derzeit wird auch diskutiert, ob auch die Platzierung einer Stellenausschreibung diskriminierend wirken kann. Zum Beispiel wenn die Stellenanzeige ausschließlich in einer Zeitschrift erscheint, die sich vor allem an Frauen richtet. Oder wenn sie in einem Onlineportal geschaltet wird, das nur für bestimmte Personengruppen gedacht ist, wie Netzwerke für junge Personen oder Studierende.

Verstöße gegen das AGG ziehen oft Klagen nach sich

Verstoßen Arbeitgeber gegen das AGG, gehen sie ein hohes Risiko einer gerichtlichen Auseinandersetzung ein. Kommt es zu einer Klage, müssen Arbeitgeber in der Regel den Gegenbeweis führen, dass es sich bei der Nichteinstellung eines bestimmten Bewerbers nicht um eine Diskriminierung handelte. Dieser Beweis ist häufig sehr schwierig.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat nun im Rahmen einer Studie insgesamt 5.667 Stellenanzeigen bundesweit ausgewertet. Dabei hat sie sowohl Stellenanzeigen in regionalen und bundesweiten Printmedien als auch in großen Online-Jobportalen berücksichtigt. 

Zusätzlich hat sie über 300 Stellenanzeigen auf dem Onlineportal "eBay Kleinanzeigen" ausgewertet, da bei ihr immer wieder Beschwerden über diskriminierende Stellenanzeigen auf diesem Portal eingegangen sind.

Die meisten Anzeigen sind neutral - aber nicht alle

Die gute Nachricht: Fast alle der untersuchten Stellenanzeigen - insgesamt 97,8 Prozent - sind nicht diskriminierend. 

In nur 2,2 Prozent, also insgesamt 125 aller untersuchten Stellenanzeigen finden sich direkt oder mittelbar diskriminierende Formulierungen.

Diese Anzeigen sind überwiegend nicht geschlechtsneutral formuliert und sprechen nur eines der Geschlechter an. Andere Anzeigen beinhalten Altersgrenzen oder suchen explizit nach einem "jungen Bewerber". In einigen wenigen Fällen spielt das Merkmal ethnische Herkunft eine Rolle: Diese Bewerber sollen "Deutsch als Muttersprache" beherrschen.

Rund ein Fünftel der Anzeigen -  21,2 Prozent, insgesamt 1.199 Anzeigen - enthalten ein Diskriminierungsrisiko. Bei diesen Anzeigen gehen Arbeitgeber - gegebenenfalls ohne sich dessen bewusst zu sein - das Risiko ein, bestimmte Gruppen von der Bewerbung auszuschließen und so weniger vielfältige Bewerbungen zu bekommen. Das kann durch ein Foto oder durch Formulierungen geschehen, die vor allem ein Geschlecht oder eine bestimmte Altersgruppe adressieren. Auch eine geforderte Anzahl von Berufserfahrungsjahren kann als ein solches Risiko wirken.

Neutral formulieren - Tipps für Unternehmen

Wie man am Stellenanzeigen neutral und diskriminierungsfrei formuliert, erklärt die Antidiskriminierungsstelle in ihrer Studie. Anzeigen sollten zum Beispiel möglichst

  • neutrale Jobbezeichnungen wie "Fachkraft" oder "Leitung" enthalten. Ist das nicht möglich, empfiehlt sie die Verwendung des Gendergap (Techniker_in) oder des Gendersternchens (Techniker*in).
  • neutral formulierte Qualifikationsanforderungen enthalten, wie zum Beispiel "Studium des Maschinenbaus" statt "Abschluss als Maschinenbauer".
  • auf Fotos verzichten, da sich Interessenten durch bestimmte Abbildungen ausgeschlossen fühlen könnten.

Die komplette Studie "Diskriminierung in Stellenanzeigen" sowie weitere Ergebnisse und Empfehlungen für Arbeitgeber finden Sie auf der Seite antidiskriminierungsstelle.de in den Publikationen.