Ein Mitarbeiter war als Be- und Entlader sowie Fahrzeugwäscher bei einem Paketzusteller beschäftigt. Seinen privaten PKW konnte er in der Nähe seines Arbeitsplatzes abstellen. 

Ende März 2020 fand der Werkschutz bei einer stichprobenartigen Ausfahrtkontrolle eine Flasche mit einem Liter Desinfektionsmittel samt Handtuchrolle im Kofferraum des Wagens. Der Wert der Flasche betrug ca. 40 Euro.

Zu dem Zeitpunkt wurde im Betrieb immer wieder Desinfektionsmittel aus den Waschräumen entwendet. Das Unternehmen hatte per Aushang in den Waschräumen darauf hingewiesen, dass die Mitnahme von Desinfektionsmitteln die fristlose Kündigung und eine Anzeige nach sich ziehen würden.

Betriebsrat stimmt der fristlosen Kündigung zu

Das Unternehmen sprach daher eine fristlose Kündigung aus, der der Betriebsrat nach der Befragung von Zeugen zustimmte.

Der Mitarbeiter war damit nicht einverstanden: Er begründete die Flasche damit, dass er sich während der Arbeit jede Stunde zu seinem Auto begeben habe, um sich die Hände zu desinfizieren und zu trocknen. Die Flasche wollte er auch seinen Kollegen zur Verfügung stellen, da es in den Waschräumen nicht immer Desinfektionsmittel gegeben habe. Bei der Ausfahrt habe er sie schlicht vergessen. Der Werkschutz gab an, dass der Mitarbeiter ihm gegenüber behauptet hatte, er benötige die Flasche, um sich unterwegs die Hände zu desinfizieren.

Erklärungen des Arbeitnehmers nicht glaubhaft

Sowohl das Arbeitsgericht Mönchengladbach als auch das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf wiesen die Kündigungsschutzklage ab: Die Erklärungen des Klägers seien nicht glaubhaft. Denn wenn er es wirklich während der Arbeit gebraucht hätte, hätte er das Desinfektionsmittel auch in der Nähe seines Arbeitsplatzes abstellen können, anstatt es im Kofferraum seines Autos aufzubewahren. Auch sei es nicht glaubwürdig, dass er es seinen Kollegen zur Verfügung stellen wollte, denn diese wussten gar nichts davon und hatten keinen Zugriff auf das Auto.

Desinfektionsmittel war Mangelware

Obwohl der Mitarbeiter schon lange bei dem Unternehmen beschäftigt war, musste er nicht erst abgemahnt werden. Denn in einer Zeit, in der Desinfektionsmittel pandemiebedingt Mangelware war und das Unternehmen Schwierigkeiten hatte, genügend Desinfektionsmittel zu besorgen, hatte der Mitarbeiter gleich einen ganzen Liter davon entwendet. Ihm hätte selbst klar sein müssen, dass er mit diesem Verhalten seinen Job gefährdete. 

Eine Revision hat das LAG Düsseldorf nicht zugelassen.