"Wir arbeiten an einer nachhaltigen, innovativen und digitalen Wirtschaft. Ein wichtiger Pfeiler dieser Zukunft ist, den Arbeitern mehr Flexibilität, mehr Freiheit zu geben", so das Statement von Premierminister Alexander De Croo zum neuen Arbeitssystem in Belgien. Arbeitnehmer sollen ihre Arbeit künftig flexibel an vier statt fünf Tagen verrichten können. Die belgische Regierung einigte sich auf eine entsprechende Arbeitsmarktreform. 

Vollzeit-Arbeitnehmer sollen am Tag länger arbeiten dürfen, damit alle erforderlichen Stunden in vier Tagen geleistet werden können. Das solle etwa der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben zugutekommen. 

Auch in Island wird seit Längerem über eine Vier-Tage-Woche diskutiert: In zwei groß angelegten Experimenten wurde die Wochenarbeitszeit für 2.500 Arbeitskräfte (das ist mehr als ein Prozent der berufstätigen Bevölkerung) von 40 auf 35 oder 36 Stunden verkürzt - bei gleichbleibender Bezahlung. 

Die isländische Non-Profit-Organisation Alda (Association for Democracy and Sustainability) hat die Ergebnisse nun gemeinsam mit dem britischen Thinkthank Autonomy ausgewertet: Produktivität und Leistungserbringung seien überwiegend gleich geblieben oder hätten sich verbessert. Auch das Privatleben sei positiv von der verringerten Arbeitszeit beeinflusst worden. Den Studienteilnehmern blieb mehr Zeit für private Verpflichtungen, für sich selbst und ihre Familien.

Moderne Arbeitswelten fordern Flexibilitäten

Auch hierzulande testen immer mehr Betriebe die Vier-Tage-Woche oder nehmen Abstand vom klassischen Acht-Stunden-Tag. Stattdessen wird vermehrt auf Homeoffice oder Gleitzeit gesetzt. Vor allem die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, neue Modelle attraktiver zu machen. Deshalb bieten internationale Konzerne, die sowohl mitarbeiter- als auch kundenorientiert agieren, verschiedene Arbeitszeitmodelle an, mit denen Mitarbeiter ihre Lebensplanung individuell umsetzen können. 

Für wen ist Flexibilität im Unternehmen ein Attraktivitätsmerkmal?

Ein hohes Maß an Flexibilität am Arbeitsplatz schätzen neben Alleinerziehenden, die Arbeits- und Kindergarten- oder Schulzeiten miteinander in Einklang bringen müssen, auch die Vertreter der "Generation Y", auch Millennials genannt. Zu dieser Generation gehören Arbeitnehmer, die nach dem Jahr 2000 ins Teenageralter gekommen sind und nun verstärkt auf den Arbeitsmarkt drängen. Dieser Generation gehören im Jahr 2020 geschätzt rund 50 Prozent aller Erwerbstätigen an. Millennials wünschen sich in der Regel eine erhöhte Flexibilität am Arbeitsplatz, zum Beispiel über das Homeoffice. 

Das Kriterium Flexibilität kann bei dieser Arbeitnehmer-Generation also durchaus den Ausschlag dafür geben, ob sich ein qualifizierter Bewerber für ein Unternehmen entscheidet. Seitens des Arbeitgebers erfordert der Anspruch schnelle und innovative Prozesse wie etwa die Konnektivität zwischen Firmennetzwerk und jedem beliebigen Arbeitsplatz. Es ist Aufgabe der Geschäftsleitung, im Vorfeld gründlich zu analysieren, welche Innovationen sich innerhalb des Unternehmens sinnvoll umsetzen lassen und den Mitarbeitern tatsächlich mehr Flexibilität bieten. Weil dieser Aspekt inzwischen bereits im Bewerbungsgespräch von den Bewerbern thematisiert wird, sind die Unternehmen gefordert, kluge Lösungsansätze zu finden. 

Lohnt sich Flexibilität für jedes Unternehmen?

Auch wenn international agierende Großkonzerne zunehmend mehr Flexibilität für ihre Mitarbeiter bieten, lohnt sich diese Maßnahme nicht für alle Arbeitgeber aus jeder Branche gleichermaßen. 

Für erfolgreiche Mittelständler gilt Flexibilität bei den Arbeitszeitmodellen als Erfolgsmotor. Unternehmen können sich damit einen Vorsprung bei der Gewinnung von Fachkräften sichern und einen Beitrag zur Bindung der Mitarbeiter leisten. Diese wiederum können durch die gebotene Flexibilität ihren Verpflichtungen und Interessen ohne größere Probleme nachkommen und sich fortbilden, um innerhalb des Betriebes weitere Aufstiegsmöglichkeiten wahrzunehmen.