Stuttgart, 28. Februar 2022. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) besitzt nur in Baden-Württemberg und Bayern die Mehrheit der Befragten einen Organspendeausweis. In beiden Bundesländern hat jeweils jede und jeder Zweite (51 Prozent) ihre bzw. seine Entscheidung auf einem Ausweis dokumentiert, bundesweit trifft das nur auf 41 Prozent und im Osten Deutschlands sogar nur auf jede und jeden Fünften zu. Wer in Baden-Württemberg einen Ausweis ausfüllt, entscheidet sich in der Regel für eine Spende (94 Prozent).

Wichtige Entscheidung entlastet Angehörige

"Ob man Organe spenden möchte oder nicht, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Wichtig ist, dass wir alle uns mit dem Thema auseinandersetzen und unseren Willen nachvollziehbar dokumentieren", betont Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung. Wer nicht spenden möchte, kann auch das auf dem Organspendeausweis festhalten.

Tausende warten auf neues Organ

Aktuell sind insgesamt 1.060 Menschen aus Baden-Württemberg auf der Warteliste der Stiftung Eurotransplant für eine Organtransplantation registriert, und damit 11 schwerkranke Patienten weniger als vor einem Jahr. Die meisten von ihnen warten auf eine neue Niere (807). Auch bundesweit hat sich die Zahl der Wartenden reduziert: Nach 9.200 Betroffenen zum Stichtag 1. Januar 2021 stehen nun 8.470 Menschen auf der Warteliste.

Weniger Transplantationen als vor der Pandemie

Laut Eurotransplant wurden im Jahr 2021 in Baden-Württemberg 457 Organtransplantationen realisiert, darunter 84 Lebendspenden. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (450) leicht erhöht. "Trotz der Corona-Pandemie sind die Kliniken personell und finanziell in der Lage, Organe zu transplantieren", erklärt Mussa. Im Gegensatz zu einigen anderen Eurotransplant-Ländern kam es in Deutschland nicht zu einem Einbruch der Organspendezahlen.

Organspendegesetz soll für mehr Aufklärung sorgen

Vor zwei Jahren beschloss der Bundestag mit dem "Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende" verschiedene Maßnahmen, um die Bürgerinnen und Bürger noch besser über das Thema zu informieren, zum Beispiel in Bürgerämtern oder durch Ärztinnen und Ärzte. Künftig soll es auch möglich sein, seine Entscheidung für oder gegen eine Organspende in einem Online-Register zu dokumentieren. So kann die Entscheidung jederzeit individuell angepasst oder geändert werden. Einige dieser Maßnahmen verzögern sich jetzt aufgrund der Corona-Pandemie. Das Register wird laut Bundesgesundheitsministerium nicht vor Ende des Jahres 2022 an den Start gehen. Das Gesetz tritt zum 1. März in Kraft.

Hinweis an die Redaktion

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der TK im Dezember 2021 bundesweit 1.000 Menschen bevölkerungsrepräsentativ telefonisch zum Thema Organspende befragt.

Die aktuellen Wartelistezahlen (Stand 1. Januar 2022) stammen von der Stiftung Eurotransplant mit Sitz in Leiden/Niederlande. Sie ist verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in acht europäischen Ländern.