Zugverspätungen da, abenteuerliche Streckensperrungen dort und woanders wieder Streiks. Schier fassungslose Hauptstädter und Märker standen gemeinsam vereint - im Totalausfall. Doch der Blick auf leere Gleise kann nicht beruhigend wirken, denn wer nicht ankommt, war gefühlt auch nicht richtig unterwegs.

Lange Zeit lahmgelegt war auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Anfang der 2000er Jahre sollte sie mit der elektronischen Gesundheitskarte Fahrt aufnehmen. Schwierigkeiten bei Entscheidungsfindungen, Probleme bei der Anbindung und nicht zuletzt datenschutzrechtliche Bedenken haben schließlich dazu geführt, dass der Schwung verpuffte und der Prozess ins Stocken geriet.

Doch nun rollt der Zug mit dem digitalen Fortschritt an Bord wieder schneller. Gesundheitsminister Spahn will weiter beschleunigen. Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollen alle Krankenkassen dazu verpflichtet werden, ihren Versicherten bis zum Jahr 2021 eine elektronische Patientenakte zur Verfügung zu stellen.

Gut so. Eine Gesundheitsakte auf Grundlage einheitlicher Standards schafft endlich Transparenz und bringt die Versicherten dahin, wo sie ohnehin längst hingehören: mitten ins Zentrum der Gesundheitsversorgung. Wer sich dafür entscheidet, kann künftig seine Gesundheits- und Behandlungsdaten einsehen und sie auf dem Weg durch die medizinische Versorgung gemeinsam mit behandelnden Ärzten nutzen. Wichtig ist, dass die Versicherten darüber entscheiden und sie der Souverän über ihre Daten sind.

Bleibt zu hoffen, dass das schnell so weitergeht. Dann steht einem gewissen "Flow" nichts mehr im Weg. Das soll ja auch glücklich machen. Zu wünschen wäre es den Brandenburgern und Berlinern. Dieselben positiven Effekte sollten sich in einem Gesundheitswesen ohne Fax, Zettelwirtschaft und überquellende Aktenordner auch beobachten lassen.