Immer wieder haben wir in Berlin gehofft. Immer wieder sind wir enttäuscht worden. Zuerst von Bao Bao und Tjen Tjen, dann auch noch von Bao Bao und Yan Yan. Zugegeben: Die Pandabären im Berliner Zoo haben uns von Anfang an mit ihren niedlichen Gesichtern und ihrem gemütlichen Wesen verzaubert.

Doch in jedem Frühjahr "versagten" sie erneut bei einer großen Aufgabe: wenn es darum ging, Nachwuchs zu zeugen. Klar, manchmal haben sie sich wenigstens redlich bemüht, das haben wir wohlwollend zur Kenntnis genommen. In manchem Jahr jedoch haben sie es nicht einmal ernsthaft probiert.

Viele Jahre der Fehlversuche, reichlich verschwendete Zeit. Eine niederschmetternde Bilanz ist das - in vier Worten: außer Spesen nix gewesen. Aus dem Gesundheitswesen kann da mindestens ein Projekt locker mit den hilflosen Fehlversuchen im Berliner Zoo mithalten: die ewigen Bemühungen, den Morbi-RSA fairer zu gestalten. Dass der Ausgleichsmechanismus zwischen gesetzlichen Krankenkassen, der den Kassen mit mehr schwer kranken Versicherten einen finanziellen Ausgleich bescheren soll, einer Reform bedarf, ist nahezu unstrittig. Doch zu groß war die Aufgabe und zu klein die Bemühungen der Politik. Der Morbi-RSA geriet in bedenkliche Schieflage, und niemand war in Sicht, um etwas geradezurücken und für Manipulationsresistenz zu sorgen.

Doch jetzt wächst die Hoffnung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein Ministerium haben's angepackt und im Rahmen des "Faire-Kassenwahl-Gesetzes" Eckpunkte für eine Reform vorgelegt, die, wenn sie komplett umgesetzt wird, ihren Namen tatsächlich verdient. Schließlich müssen von Anfang an Manipulationsbremsen eingebaut werden, damit der neue Morbi auch wirklich funktioniert.

Auch im Berliner Zoo tut sich endlich was. Vor zwei Jahren ist eine neue Generation Pandabären angekommen. Meng Meng und Jiao Quing haben in diesem Frühling den ersten Versuch gestartet, zur Erhaltung ihrer Art beizutragen. Hoffen wir also, dass auch hier die Zeit der fruchtlosen Bemühungen endlich vorbei ist.