Durchschnittlich 30 Minuten verbringen Patienten in den Wartezimmern ihrer Hausärzte, bevor sie zur Behandlung aufgerufen werden. Bei Fachärzten liegt die durchschnittliche Wartezeit bei fast 40 Minuten. Rund 17 Mal pro Jahr geht jeder Deutsche zum Arzt, das heißt: Jeder Bundesbürger verbringt ca. acht Stunden pro Jahr im Wartezimmer. Mit der App Warts-Ab könnte das oft Neven strapazierende Sitzen im Wartezimmer für hessische Patienten bald der Vergangenheit angehören. Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI) und der TK-Landesvertretung Hessen.

Warts-Ab ermöglicht es den Patienten, die Arztpraxis nach kurzer Zeit wieder zu verlassen und die Zeit - bis sie zu ihrem Arztgespräch aufgerufen werden - so zu verbringen, wie sie es wollen. Die App informiert sie rechtzeitig darüber, wann sie wieder in die Praxis zurückkehren sollten. Programmiert und entwickelt wird Warts-Ab von Prof. Thomas Friedl und dem kleinen Start-Up MyEPA. Das HMSI hat Ende 2018 angekündigt, das Projekt mit Landesmitteln unterstützen zu wollen. Sobald die offizielle Förderzusage vorliegt, kann das innovative und einzigartige Projekt starten. Einen kleinen Ausblick darauf, was auf das hessische Gesundheitswesen mit Warts-Ab zukommt, gibt Prof. Friedl im Kurzinterview.

TK: Wie funktioniert Warts-Ab genau?

Friedl: Jede Praxis beziehungsweise jede Klinik, die an dem Warts-Ab System teilnimmt, wird einem Patienten, der lieber außerhalb die Wartezeit verbringen möchte, in der Projektphase auf einem Tablet einen Barcode generieren, der vom Patienten mit der Warts-Ab App eingescannt wird. Anschließend kann der Patient die Praxis oder die Klinik verlassen. Die Warts-Ab-App auf seinem Handy zeigt ihm dann rechtzeitig an, wann er wieder zurückkehren sollte. Warts-Ab soll DIE Standard Anwendung für alle Bereiche werden, in denen gewartet wird. Das betrifft natürlich insbesondere das Gesundheitswesen, aber im nächsten Schritt auch Behörden, Restaurants, Dienstleister etc. - und das nicht nur in Hessen sondern auch in Deutschland, Europa und irgendwann weltweit. Wir hoffen nun, dass Politik und Wirtschaft den Impact dieser Lösung erkennt. Warum sollten denn Apps, die sich zu einem "Quasi-Standard" entwickeln immer aus den USA kommen?

TK: Wie werden die Patienten von der App profitieren?

Friedl: Warten in vollen Wartezimmern ist nur bedingt angenehm. Warts-Ab gibt den Patienten die Möglichkeit, diese Wartezeiten an einer anderen Stelle zu verbringen und zeitlich passgenau zur Untersuchung oder zur Behandlung zu erscheinen. Gerade in den Jahreszeiten, in denen man in mit grippalen Infekten vollbesetzten Wartezimmern manchmal kränker herausgeht als man hineingegangen ist, wird sich auch vor dem hygienischen Aspekt Warts-Ab für die Patienten sehr lohnen. Zu diesem Aspekt soll es im Förderprojekt eine Vorstudie geben; in einem eventuellen Folgeprojekt eine echte Vergleichsstudie.

TK: Welche Vorteile gibt es für die teilnehmenden Arztpraxen?

Prof. Thomas Friedel

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Technische Hochschule Mittelhessen, Fachbereich Gesundheit

Friedl: Volle Wartezimmer, quengelnde Patienten, überfüllte Wartebereiche und ein dadurch manchmal nicht mehr einzuhaltender Datenschutz in den Praxen sind nur einige Gründe, die es für Praxen sehr interessant macht, sich recht schnell dem System anzuschließen. Im Förderprojekt ist geplant, den ersten 150 Praxen das notwendige Equipment zur Verfügung zu stellen, Einweisungen für das Personal durchzuführen und eine unterstützende Hotline anzubieten.

TK: Welche ersten Rückmeldungen zum Projekt gibt es bereits aus dem hessischen Gesundheitswesen?

Friedl: Nach der Pressemeldung des HMSI im Dezember war das mediale Interesse immens. Das folgende Echo von Praxen, Kliniken und Bürgern war für so ein - eigentlich überschaubares Projekt - kolossal. Ich hatte sogar eine Anfrage eines Landkreises, der flächendeckend an dem Piloten teilnehmen wollte. Der Rollout des Systems könnte in diesem Jahr noch beginnen, sofern der Förderbescheid im Juli eingehen sollte. Auch die Landesärztekammer Hessen und die Hessische Krankenhausgesellschaft unterstützen Warts-Ab.

TK: Wie wird bei Warts-Ab der Datenschutz sichergestellt?

Friedl: Warts-Ab wird eine der aktuell ganz wenigen Lösungen werden, wahrscheinlich sogar die erste Anwendung im Gesundheitswesen, die der seit einem Jahr gültigen EU- Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vollkommen entspricht. Der größte Clou ist, dass bei Warts-Ab KEINERLEI personenbezogene Daten verwendet und verarbeitet werden. Es wäre für mögliche Hacker also völlig sinnlos, in das System einzubrechen. Weder die Entwickler noch die Administratoren von Warts-Ab haben die Möglichkeit herauszufinden, wer die Patienten sind, die Warts-Ab nutzen. Wir werden uns die Sicherheit des Systems vom hessischen Datenschutzbeauftragten und vom Chaos Computer Club bestätigen lassen. Wir gehen davon aus, dass die Technik hinter Warts-Ab in Sachen Datensicherheit so revolutionär ist, dass es sich auch über das Projekt hinaus zum Standard entwickeln und möglicherweise zum "Exportschlager" wird. Auch vor diesem Hintergrund bin ich sehr froh, dass die Techniker Krankenkasse und das HMSI die Warts-Ab-Idee fördern und unterstützen und somit dazu beitragen, dass Patienten und Bürger anders mit Wartezeiten umgehen können.

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