Ulrike Fieback von der TK in Niedersachsen kennt die Situation hörgeschädigter Menschen von ihren Besuchen in der MHH. Dort befindet sich das weltweit größte Referenzzentrum für Hörprothesen. Rund 600 Menschen werden in der niedersächsischen Landeshauptstadt jährlich mit Hörimplantaten versorgt, davon alleine 180 Kinder. Damit verfügen die Operateure über die Expertise, die für diese Art der Spezialchirurgie unbedingt notwendig ist.

Minicomputer am Ohr als Trainingspartner

Damit schwerhörige oder gehörlose Menschen, bei denen ein Hörgerät nicht mehr hilft, Geräusche und Sprache wieder wahrnehmen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, hat die TK mit der Klinik einen entsprechenden Versorgungsvertrag geschlossen, der einerseits die Operation des Implantats beinhaltet und zum anderen eine intensive qualitätsgesicherte Nachsorge sicherstellt. Und das sogar ein Leben lang.

Denn erst nach der Implantation und der Aktivierung des Audioprozessors - vergleichbar mit einem Mini-Computer am Ohr - beginnt die eigentliche 'Hör- und Spracharbeit' für den Betroffenen. Kinder und Erwachsene, die nie ein Geräusch gehört haben oder deren Gehirn schlichtweg vergessen hat, was Sprache und Töne sind, müssen die neue Klangwelt und das Hören erlernen. Audiologen passen kontinuierlich den Sprachprozessor an und korrigieren die Einstellungen, damit ein bestmögliches Hör- und Klangbild erreicht wird.

Hoher Leidensdruck

Fieback weiß, unter welchem Leidensdruck die Betroffenen stehen. Im Wartebereich des Hörzentrums ist sie oft genug mit Patienten ins Gespräch gekommen: "Nach längerer Taubheit wurde mir das Hören mit einem Cochlea-Implantat ermöglicht". "Das Implantat hat mir nach einem Hörsturz mein Leben zurückgegeben." "Es ist wieder so schön, dass ich meine Katze miauen hören und insbesondere jetzt im Sommer dem wunderbaren Vogelgesang lauschen kann." Die emotionalen Aussagen der Patienten klingen bei der Kommunikationsexpertin der TK immer noch nach.

Bewegende Geschichten

Besonders bewegend sei aber die Schilderung eines Vaters gewesen. Er war mit seinem kleinen Sohn, der bereits als Säugling ein Implantat erhalten hat, zur Nachsorge gekommen. "Hier in der MHH besteht eine hohe medizinische Expertise, gerade für die Cochlea-Anpassung bei Kindern. Denn aus der Beobachtung der Geräuscheindrücke bei Kleinkindern werden anschließend die Einstellungen vorgenommen. Für eine gute Hör- und Sprachentwicklung arbeiten die Pädagogen, Audiologen, Techniker, Mediziner und Sprachtherapeuten zusammen. Mein Sohn, der taub zur Welt gekommen ist, hat zwischenzeitlich ein ganz normales Sprachniveau und einen sehr guten Hörerfolg. Dadurch ist er auch im Kindergarten und im Freundeskreis sozial integriert".

Wenn Fieback das Hörzentrum verlässt, weiß sie, wofür sie Kommunikationsarbeit betreibt -  und wie richtig der Philosoph Immanuel  Kant mit seiner Einschätzung lag: "Nicht sehen können trennt von Dingen, nicht hören können von den Menschen."