Hamburg, 11. Juni 2021. In Hamburg bekommen immer weniger Patientinnen und Patienten mit einer Erkältung ein Antibiotikum von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt verschrieben. Im Vergleich zu 2014 sind die Antibiotika-Verordnungen bei dieser Diagnose im vergangenen Jahr um die Hälfte zurückgegangen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Arzneimittelverordnungen von den bei der Techniker Krankenkasse (TK) versicherten Erwerbspersonen. Erhielten im Jahr 2014 noch 25,4 Prozent der Versicherten, die wegen einer Erkältung krankgeschrieben waren, von ihren Ärztinnen und Ärzten ein Antibiotikum, waren es im Jahr 2020 nur noch 12,2 Prozent. Besonders auffällig war der Rückgang im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019: Hier sank die Zahl der Verschreibungen von 17 Prozent um fast fünf Prozentpunkte.

Ein Grund dafür, dass insgesamt weniger Medikamente verordnet wurden, könnte die telefonische Krankschreibung sein. Viele Versicherte haben diese Möglichkeit seit Pandemie-Beginn genutzt. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

"Der Krankenstand ist in Hamburg in diesem Jahr der niedrigste seit 13 Jahren. Besonders die Erkältungskrankheiten sind seit Beginn der Corona-Pandemie durch die strengeren Hygienevorschriften deutlich zurückgegangen. Ein Grund dafür, dass insgesamt weniger Medikamente verordnet wurden, könnte die telefonische Krankschreibung sein. Viele Versicherte haben diese Möglichkeit seit Pandemie-Beginn genutzt", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. "Trotzdem verlassen immer noch zu viele Patientinnen und Patienten insbesondere bei Erkältungen die Arztpraxen mit einem Rezept für ein Antibiotikum. Hier kann ein Antibiotikum häufig aber gar nichts ausrichten, weil Erkältungen meistens durch Viren verursacht werden. Dies müssen wir kritisch sehen. Mit jeder unnötigen Verordnung steigt die Gefahr, dass Antibiotika im Ernstfall nicht mehr wirken, weil Bakterien gegen Antibiotika resistent werden", so die Landeschefin weiter.

Antibiotika gezielt einsetzen

Um unnötige Antibiotikaverordnungen zu vermeiden und die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten, hat die Hamburger Landeskonferenz für gesundheitliche und pflegerische Versorgung im Jahr 2018 die Hamburger Initiative Antibiotika gezielt einsetzen  gestartet. Die vereinbarten Maßnahmen richten sich an Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte, andere Gesundheits- und Pflegeberufe sowie an die Politik. Gleichzeitig sensibilisiert eine Aufklärungskampagne Patientinnen und Patienten dafür, wann die Einnahme von Antibiotika sinnvoll ist und wann nicht. "Gut informierte Patientinnen und Patienten können gestärkt in das Gespräch mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin gehen. Im Zweifelsfall sollten sie auch über das Für und Wider der Einnahme von Antibiotika sprechen", sagt Puttfarcken.

Hinweis für die Redaktion

Die genannten Daten stammen aus dem Gesundheitsreport 2021 der TK, der am 23. Juni veröffentlicht wird. Für den Gesundheitsreport wurden unter anderem die  Arzneimittelverordnungen der mehr als fünf Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen neben den Erwerbstätigen auch die Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Im Interview erklärt Maren Puttfarcken die Hintergründe zur Hamburger Initiative Antibiotika gezielt einsetzen .