Mainz, 1. Juli 2019. Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kann nicht nur die psychosoziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sehr belasten, auch die Biographie betroffener Erwachsener ist oft stark beeinträchtigt. Wie die rheinland-pfälzische Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt, erhalten immer mehr volljährige Menschen Medikamente zur Behandlung von ADHS. Hierbei kommt häufig der Wirkstoff Methylphenidat zum Einsatz, dessen bekanntester Vertreter das Ritalin ist.

Zunehmender Medikamenteneinsatz bei Erwachsenen

"Die Anwendung des Wirkstoffs war zunächst auf Kinder und Jugendliche begrenzt. Im Jahr 2011 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Zulassung auf Erwachsene ausgeweitet", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung. Auch wenn zwei Drittel der Methylphenidatverordnungen nach wie vor zur Therapie der Aufmerksamkeitsstörung von Kindern und Jugendlichen ausgestellt wird, ist auffällig, dass das Medikament immer häufiger auch in späteren Jahren zum Einsatz kommt.

Laut einer aktuellen Auswertung der TK in Rheinland-Pfalz beziffert sich die Verordnungssteigerung für männliche TK-Versicherte ab 19 Jahren von 2015 bis 2018 auf 31 Prozent. Bei den weiblichen TK-Versicherten der gleichen Altersgruppe beläuft sich der Verordnungsanstieg bei Methylphenidat auf 19 Prozent. 

Medikamentöse Behandlung allein nicht ausreichend

"Die Behandlung von ADHS ist langwierig und komplex. Daher sollte sie nur von Experten durchgeführt werden, die Erfahrung mit diesem Krankheitsbild gesammelt haben. Leider ist die Therapie nicht an eine bestimmte Facharztgruppe gekoppelt", betont der TK-Landeschef. Insbesondere die Einnahme von Methylphenidat müsse bei allen Versicherten, gleich ob volljährig oder nicht, eng begleitet werden, führt Simon weiter aus. "Allerdings ist die medikamentöse Behandlung allein nicht ausreichend, um einen nachhaltigen Therapieerfolg zu erzielen. Vielmehr soll das Medikament den Patienten in die Lage versetzen, aufnahmefähig für ergänzende Behandlungen, wie etwa Psycho- oder Ergotherapie zu sein", so Simon. 

Methylphenidat birgt hohes Missbrauchspotential

Keinesfalls sollte Methylphenidat allein zur Behandlung von ADHS gegeben werden. Der Wirkstoff stammt aus der Gruppe der Amphetamine und ist hinsichtlich seiner pharmakologischen Wirkung mit dem des Kokains vergleichbar. "Daher birgt Methylphenidat ein hohes Missbrauchspotential. " Infolgedessen ist es notwendig, im Rahmen einer längeren Therapie regelhaft Auslassversuche vorzunehmen, um zu prüfen, ob der Versicherte zwischenzeitlich auch ohne die Einnahme des Medikaments zurechtkommt", betont Simon.