Berlin, 15. Oktober 2018. Durchschnittlich jeder fünfte Hauptstädter (19,4 Prozent), der 2017 erkältungsbedingt krankgeschrieben war, bekam ein Antibiotikum verordnet. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Damit stellten die Ärzte in der Hauptstadt bundesweit die wenigsten Verordnungen aus. Deutschlandweit wurde in 24,4 Prozent der Fälle ein Antibiotikum verschrieben. Den höchsten prozentualen Anteil an Verordnungen gab es im Saarland - hier lag die Rate bei 33,9 Prozent.

Antibiotika-Einsatz steigt mit Zahl der AU-Tage

Die Zahlen sind seit Jahren rückläufig - vor vier Jahren erhielt noch jeder Vierte in Berlin bei einer erkältungsbedingten Krankschrift eine Antibiotikaverordnung - sie zeigen auch: Je länger die Beschäftigten aufgrund einer Erkältung krankgeschrieben waren, desto eher verordneten die Ärzte ein Antibiotikum. Unter jenen Beschäftigten, die ein bis drei Tage ausfielen, erhielten 12,7 Prozent eine Verordnung. Bei vier bis sieben Tagen waren es 16,4 Prozent. Mussten die Patienten ein bis zwei Wochen aufgrund einer Erkältung krankgeschrieben werden, bekamen 27,8 Prozent von ihnen ein Rezept. Bei über 15 Fehltagen erhöht sich die Rate auf 37,4 Prozent.  

Einsatz sorgsam prüfen

Susanne Hertzer, TK-Chefin in Berlin: "Eine rückläufige Zahl von Antibiotika-Verordnungen ist erfreulich. Das zeigt, dass das Thema sensibler gehandhabt wird. Auch künftig ist es wichtig, dass eine Antibiotika-Verschreibung sorgsam geprüft wird, um einen unnötigen Einsatz zu vermeiden." Antibiotika sind nicht bei jeder Erkältungserkrankung wirksam. Die meisten Erkältungsinfekte werden durch Viren ausgelöst, Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Durch übermäßigen und falschen Einsatz der Medikamente können sich vermehrt multiresistente Erreger (MRE) bilden.

Märker erhielten etwas häufiger Verordnungen

Im benachbarten Bundesland Brandenburg lag die Quote der Antibiotika-Verordnungen etwas höher. Der Trend ist aber ebenfalls rückläufig. Durchschnittlich 22,6 Prozent der erwerbstätigen Patienten, die erkältungsbedingt krankgeschrieben waren, erhielten ein Rezept für ein Antibiotikum. Vor vier Jahren war es noch fast jeder Dritte (31,6 Prozent).

Hinweis an die Redaktionen

Für den Gesundheitsreport 2018 hat die TK unter anderem die Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Infografiken zu Arzneimittelverordnungen bietet das Portal Presse & Politik. Außerdem finden Sie auf dem Portal der TK Informationen zu multiresistenten Erregern.