Bremen, 18. Oktober 2018. Fast jeder vierte Patient, der 2017 in Bremen erkältungsbedingt krankgeschrieben war, bekam ein Antibiotikum verordnet (22 Prozent). Im Jahr zuvor erhielten nur 20,8 Prozent der Erkrankten das Medikament. Damit sind die Antibiotika-Verordnungen bei Erkältungen seit 2014 erstmals wieder gestiegen. Das ergeben Zahlen aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK).

Je länger krank, desto eher An­ti­bio­ti­ka

Die Zahlen zeigen auch: Je länger die Beschäftigten aufgrund einer Erkältung krankgeschrieben waren, desto eher verordneten die Ärzte ein Antibiotikum. Unter jenen Beschäftigten, die ein bis drei Tage ausfielen, erhielten 15,6 Prozent eine Verordnung. Bei vier bis sieben Tagen waren es 20,1 Prozent. Mussten die Patienten ein bis zwei Wochen aufgrund einer Erkältung krankgeschrieben werden, bekamen 33,9 Prozent von ihnen ein Rezept. Bei über 15 Fehltagen erhöht sich die Rate auf 44,9 Prozent.

"Es muss unser Ziel sein, unnötige Antibiotikaverschreibungen weiter zu senken. Richtig eingesetzt sind Antibiotika eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen bakterielle Infektionen. Werden die Arzneien jedoch verstärkt verordnet, steigt die Gefahr, dass Bakterien resistent werden", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Bremen.

An­ti­bio­ti­ka wirken nicht gegen Viren

Bei Erkältungen ist körperliche Ruhe im Regelfall besser, als der Griff zum Antibiotikum. Nur ein geringer Anteil der Erkältungsinfekte wird von Bakterien verursacht. Die meisten Erkältungen mit Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerz werden durch Viren hervorgerufen, gegen die Antibiotika nicht wirken.

Ein falscher und übermäßiger Einsatz von Antibiotika birgt Risiken. Es können sich multiresistente Erreger (MRE) bilden, gegen die das Medikament dann nicht mehr ankommt. Schmidt-Bodenstein: "Informierte Patienten sind ein wichtiger Baustein, um unnötige Antibiotikaverordnungen bei Atemwegserkrankungen zu vermeiden. Es ist deshalb wichtig, dass Mediziner ihre Entscheidung für oder gegen ein Antibiotikum möglichst genau erklären. Denn häufig erwarten Patienten ein Rezept für ein Medikament, wenn sie zum Arzt gehen. Ein Info-Film  der TK zeigt, wie sich die MRE-Keime übertragen und Antibiotika zur Entstehung neuer Resistenzen beitragen können."

DART 2020 - Deutsche An­ti­bio­ti­ka-Re­sis­tenz­stra­te­gie                                

Daher begrüßt die TK in Bremen die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) der Bundesregierung, die sowohl in der Humanmedizin als auch in der Tiermedizin den Antibiotika-Verbrauch verringern und Antibiotika-Resistenzen reduzieren soll. Im Rahmen der DART werden u. a. die eingesetzten Antibiotika-Mengen und Daten zu neuen Erregern und Resistenzen systematisch erfasst. Auch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen durch qualifiziertes Personal - zum Beispiel im Krankenhaus - gehört zur DART-Strategie. Darüber hinaus soll die Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe vorangetrieben werden.

Hinweis an die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2018 hat die TK unter anderem die Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. 2017 wohnten davon rund 70.300 Erwerbspersonen in Bremen. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Infografiken zu Arzneimittelverordnungen bietet das Portal Presse und Politik.