Hamburg, 15. Oktober 2018. Die Nase läuft, der Hals ist geschwollen, der Kopf ist schwer: Wer von einer Erkältung voll erwischt wird, liegt flach. Etwa jeder vierte Patient, der 2017 wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, bekam vom Arzt ein Antibiotikum verschrieben (24,4 Prozent). Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK). Damit gehen die Antibiotika-Verordnungen bei Erkältungen weiter zurück. Im Jahr 2010 erhielten noch 38,5 Prozent der erkältungsbedingt Krankgeschriebenen ein Antibiotika-Rezept. Beschäftigte, die nur kurz - ein bis drei Tage - aufgrund von Erkältung krankgeschrieben wurden, erhielten noch seltener eine Antibiotika-Verordnung: Rund 18 Prozent aus dieser Gruppe bekamen im Jahr 2017 ein Rezept für ein Antibiotikum, 2010 waren es noch rund 30 Prozent.

Risiko für multiresistente Erreger steigt

"Die Zahlen zeigen einen Trend, der in die richtige Richtung geht. Das klare Ziel ist aber, unnötige Antibiotikaverschreibungen weiter zu senken", sagt Tim Steimle, approbierter Apotheker und Leiter des Fachbereichs Arzneimittel der TK. Denn: "Die große Mehrheit der Erkältungsinfekte mit Symptomen wie Schnupfen oder Husten werden durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen aber nur gegen Bakterien - gegen Viren sind sie wirkungslos." Aufklärung ist bei dem Thema weiterhin wichtig, damit Antibiotika nur dann verschrieben werden, wenn sie medizinisch wirklich notwendig sind. "Antibiotika sollten nicht leichtfertig genommen werden. Wie jedes Medikament haben auch sie Nebenwirkungen ", erklärt Steimle. Außerdem steigt durch eine verstärkte Verordnung von Antibiotika die Gefahr, dass Bakterien resistent werden. "Richtig eingesetzt sind Antibiotika eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen bakterielle Infektionen. Die andere Seite der Medaille ist jedoch, dass sich multiresistente Erreger bilden, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken."

Ärzte und Patienten sensibilisieren

Antibiotikaresistenzen breiten sich weltweit immer weiter aus. Die Folge: Einige Infektionen können nicht mehr behandelt werden. Die TK beteiligt sich deshalb an dem Projekt "RESIST". Das Ziel ist, unnötige Antibiotikaverordnungen bei Atemwegserkrankungen zu vermeiden. Ärzte und auch Patienten sollen für das Thema sensibilisiert werden - zum Beispiel steht ein Instrumentenkoffer mit Entscheidungshilfen zur Verfügung. Die Mediziner können an einem Onlinetraining teilnehmen und ihr Verordnungsverhalten hinterfragen. Und sie bekommen Informationsmaterial an die Hand, um ihren Patienten die Entscheidung für oder gegen ein Antibiotikum zu erklären. Denn häufig erwarten Patienten ein Rezept für ein Medikament, wenn sie zum Arzt gehen.

Auch die Bundesregierung macht sich mit ihrer Deutschen Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART 2020) für einen sachgerechten Einsatz von Antibiotika und den richtigen Umgang mit multiresistenten Erregern stark. Darüber hinaus soll die Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe vorangetrieben werden.

Hinweis für die Redaktionen

Für den Gesundheitsreport 2018 (PDF, 2,0 MB) hat die TK unter anderem die Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Infografiken zu Arzneimittelverordnungen  bietet das Portal Presse und Politik.

Außerdem finden Sie auf dem Portal der TK Informationen zu multiresistenten Erregern. Das Modellprojekt RESIST wird im Rahmen des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses unterstützt. Es ist eine Zusammenarbeit des vdek und seiner Mitgliedskassen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, acht Kassenärztlichen Vereinigungen und dem Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock.