Erfurt, 16. Oktober 2018. Etwa jeder vierte Thüringer Patient, der 2017 wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, bekam vom Arzt ein Antibiotikum verschrieben (24 Prozent). Damit gehen die Antibiotika-Verordnungen bei Erkältungen weiter zurück.

Ein Jahr zuvor erhielten 27,3 Prozent der erkältungsbedingt Krankgeschriebenen im Freistaat ein Antibiotika-Rezept. Im Jahr 2014 war es noch jeder Dritte (33,2 Prozent). Das geht aus aktuellen Daten des Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.

Kampf gegen multiresistente Erreger

"Die Tendenz, dass die niedergelassenen Ärzte in Thüringen beim Verschreiben von Antibiotika bei Erkältungskrankheiten immer zurückhaltender werden, ist positiv", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. Denn nur ein geringer Anteil der Erkältungsinfekte wird von Bakterien verursacht. Die meisten Erkältungen mit Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerz werden durch Viren hervorgerufen, gegen die Antibiotika nicht wirken.

Ein falscher und übermäßiger Einsatz von Antibiotika birgt Risiken. Es können sich multiresistente Erreger (MRE) bilden, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.

"Es muss unser Ziel sein, unnötige Antibiotikaverschreibungen weiter zu senken. Richtig eingesetzt sind Antibiotika eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen bakterielle Infektionen. Werden die Arzneien jedoch verstärkt verordnet, steigt die Gefahr, dass Bakterien resistent werden", sagt Dressel.

Patienten sensibilisieren

Informierte Patienten sind ein wichtiger Baustein, um unnötige Antibiotikaverordnungen bei Atemwegserkrankungen zu vermeiden. Mediziner sollten ihre Entscheidung für oder gegen ein Antibiotikum möglichst genau erklären. Denn häufig erwarten Patienten ein Rezept für ein Medikament, wenn sie zum Arzt gehen.

Zudem ist es wichtig, dass sich Patienten an die Einnahmehinweise des Arztes halten. Eine zu kurze Therapiedauer, zum Beispiel wenn ein Erkrankter das Antibiotikum nach eigenem Ermessen absetzt, kann ebenso zur Resistenzbildung führen wie eine zu häufige beziehungsweise unnötige Einnahme.

Hinweis an die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2018 hat die TK unter anderem die Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.