Mainz, 15. Juni 2021. Immer weniger Patientinnen und Patienten in Rheinland-Pfalz bekommen bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschrieben. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK), die auf den Arzneimittelverordnungen ihrer erwerbstätigen Versicherten im Jahr 2020 basiert. Demnach erhielt fast jeder oder jede Fünfte (18,2 Prozent), der bzw. die letztes Jahr wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, ein entsprechendes Rezept. Im Jahr 2014 waren es noch mehr als doppelt so viele (38,8 Prozent), und auch 2019 war dies noch bei jeder oder jedem Vierten mit Erkältungsdiagnose der Fall (25,9 Prozent).

Weniger Arztbesuche im Corona-Jahr

"Dieser starke Rückgang kommt sicherlich auch daher, dass viele Menschen im sogenannten Corona-Jahr auf den Besuch in der Arztpraxis verzichtet und stattdessen etwa auf die Möglichkeit der telefonischen oder telemedizinischen Krankschreibung zurückgegriffen haben", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz. Bei diesen Ferndiagnosen sei naturgemäß auch seltener zum Rezeptblock gegriffen worden. Gleichzeitig habe die Einhaltung von Hygieneregeln die Ausbreitung von Infektionskrankheiten reduziert. Zudem hinterfragten vermutlich immer mehr Ärztinnen und Ärzte Antibiotikaverordnungen bei Viruserkrankungen, was sehr positiv sei, so Simon.  

Antibiotika helfen nicht gegen virale Infekte 

Die meisten Erkältungskrankheiten, die vor allem mit Schnupfen und Husten einhergehen, werden durch Viren hervorgerufen. Antibiotika helfen jedoch nur gegen bakterielle Infekte. Werden sie unsachgemäß oder zu  häufig eingesetzt, erhöht sich die Gefahr, dass sich multiresistente Keime bilden, gegen die Antibiotika schließlich nicht mehr wirken.

"Erkältungen und andere Erkrankungen sollten nur dann mit Antibiotika behandelt werden, wenn es wirklich notwendig ist. Der rückläufige Trend bei den Verordnungen spiegelt deshalb ein Umdenken wider, das wir sehr begrüßen", so Simon.

Mehr Antibiotika bei längerer Krankheit 

Bundesweit wurde 14,3 Prozent aller Patientinnen und Patienten, die wegen einer Erkältung krankgeschrieben waren, ein Antibiotikum verschrieben. Rheinland-Pfalz liegt mit 18,2 Prozent somit etwas über dem Bundesdurchschnitt. Je länger die Krankschreibung andauerte, desto häufiger wurden Antibiotika eingesetzt. Von den Versicherten, die weniger als drei Tage aufgrund einer Erkältung ausfielen, erhielten nur 13,7 Prozent in Rheinland-Pfalz ein Rezept für Antibiotika. Deutlich höher lagen diese Werte bei Versicherten, die mehr als eine Woche (23,7 Prozent) oder sogar mehr als zwei Wochen (26,9 Prozent) krankgeschrieben waren.   

Hinweis für die Redaktion

Die genannten Daten stammen aus dem Gesundheitsreport 2021 der TK, der am 23. Juni 2021 veröffentlicht wird. Für den Gesundheitsreport wurden unter anderem die Arzneimittelverordnungen der rund 250.000 bei der TK in Rheinland-Pfalz versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen neben den Erwerbstätigen auch die Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I.