Stuttgart, 15. Juni 2021. Immer weniger Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg bekommen bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschrieben. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Arzneimittelverordnungen der bei der Techniker Krankenkasse (TK) versicherten Erwerbspersonen. Wurde im Jahr 2014 noch fast jeder bzw. jedem dritten Versicherten (30,6 Prozent), die bzw. der wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, ein Antibiotikum verschrieben, bekam im Jahr 2020 nur noch rund jede bzw. jeder achte Versicherte ein entsprechendes Rezept (13,1 Prozent) - ein Rückgang von fast 60 Prozent.

Schaut man auf die Beschäftigten, die erkältungsbedingt nur kurz - ein bis maximal drei Tage - krankgeschrieben waren, bekam nicht mal jeder Zehnte Antibiotika verordnet. Auch bundesweit beobachtet die TK einen Rückgang der Verschreibungen, der Durchschnitt lag 2020 bei 14,3 Prozent.

Weniger Verschreibungen bei Telefontermin

"Erkältungskrankheiten sind seit Beginn der Corona-Pandemie durch die strengeren Hygienevorschriften deutlich zurückgegangen. Da wir gezielt ausgewertet haben, wer mit einer solchen Diagnose ein Antibiotikum bekommen hat, haben wir diesen Effekt sozusagen neutralisiert“, sagt Markus Koffner, Leiter regionales Vertragswesen der TK-Landesvertretung in Stuttgart. Ein Grund dafür, dass insgesamt weniger Medikamente verordnet wurden, könnte jedoch die telefonische Krankschreibung sein. Viele Versicherte hätten diese Möglichkeit seit Pandemie-Beginn genutzt.

Keine Wirkung auf Viren

"Außerdem scheint die Botschaft verschiedener Informationskampagnen inzwischen anzukommen: Da Erkältungen meistens durch Viren verursacht werden, kann ein Antibiotikum hier häufig gar nichts ausrichten“, so der TK-Leiter. Mit jeder unnötigen Verordnung steige dagegen die Gefahr, dass Antibiotika im Ernstfall nicht mehr wirkten, weil Bakterien gegen Antibiotika resistent würden.

Weiter Aufklärung nötig

"Ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen ist deshalb weiter die Patientenaufklärung", sagt Koffner. Diesem Zweck diente das inzwischen abgeschlossene Projekt "Resistenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen" (RESIST). Der Ersatzkassenverband, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und unter anderen die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg konnten durch die Sensibilisierung von Ärztinnen und Ärzten beziehungsweise Patientinnen und Patienten die Menge unnötiger Antibiotikaverordnungen weiter verringern.

Hinweis für die Redaktion

Die genannten Daten stammen aus dem Gesundheitsreport 2021 der TK, der am 23. Juni veröffentlicht wird. Für den Gesundheitsreport wurden unter anderem die  Arzneimittelverordnungen der mehr als fünf Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen neben den Erwerbstätigen auch die Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I.