Kiel, 15. November 2019. Immer weniger Antibiotika bei Erkältungen verschrieben: Jeder fünfte Arbeitnehmer aus Schleswig-Holstein, der 2018 erkältungsbedingt krankgemeldet war, erhielt ein Rezept für ein Antibiotikum. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Zum Vergleich: 2014 erhielt noch jeder vierte Schleswig-Holsteiner bei einer Krankschreibung auf Grund von Erkältung eine entsprechende Verordnung. Häufig ist diese jedoch gar nicht notwendig, da in der Regel Viren den Husten, Schnupfen und die Heiserkeit verursachen. Gegen diese Erreger helfen keine Antibiotika. Im Gegenteil: Sie können sogar schaden, da sich durch einen übermäßigen Einsatz der Medikamente vermehrt multiresistente Erreger (MRE) bilden können. 

Schleswig-Holstein unter dem Bundesdurchschnitt


Deutschlandweit wurde in 22 Prozent der erkältungsbedingten Arbeitsunfähigkeiten ein Antibiotikum verschrieben. Der Norden liegt mit einem Anteil von 18,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. "Die aktuelle Auswertung zeigt, dass sowohl Ärzte als auch Patienten sensibler mit dem Thema Antibiotikaverordnungen umgehen. Dabei nehmen Aufklärungskampagnen eine entscheidende Rolle ein",  sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung in Schleswig-Holstein. 

Ärztekammer Schleswig-Holstein sensibilisiert Mediziner im Norden


„Eine eng gefasste Indikation, eine adäquate, möglichst kurze Behandlungsdauer und ein rationaler Einsatz von Antibiotika sind wichtige Faktoren, um einen Anstieg von Antibiotikaresistenzen zu vermeiden“, betont Dr. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH). Mit dem „Grundkurs ABS-beauftragter Arzt (Antibiotic Stewardship)“ qualifiziert die ÄKSH Ärztinnen und Ärzte, die bei der Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Maßnahmen für den zielgerichteten Umgang mit Infektionskrankheiten und Antibiotikatherapien an Kliniken mitarbeiten.

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