Magdeburg, 12. Juli 2021. In Sachsen-Anhalt bekommen immer weniger Patientinnen und Patienten mit einer Erkältung ein Antibiotikum verschrieben. Im vergangenen Jahr gingen die Antibiotika-Verordnungen bei dieser Diagnose im Vergleich zu 2014 um mehr als die Hälfte zurück. Das zeigt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). Erhielten im Jahr 2014 noch 38,9 Prozent der Versicherten, die im Land wegen einer Erkältung krankgeschrieben waren, von ihren Ärztinnen und Ärzten ein Antibiotikum, waren es im Jahr 2020 nur noch 16,1 Prozent. 

"Sachsen-Anhalt ist im bundesweiten Ranking eines der Länder, in denen häufiger Antibiotika verschrieben werden", sagt Steffi Suchant, Leiterin der TK-Landesvertretung in Sachsen-Anhalt. Der Einsatz von Antibiotika ist nur bei bakteriellen Infektionen sinnvoll. Da Erkältungskrankheiten mit Symptomen wie Schnupfen oder Husten überwiegend durch Viren verursacht werden, ist ein Antibiotikum dort nicht wirksam. 

Multiresistente Keime entstehen

Durch einen zu häufigen Einsatz können zudem multiresistente Keime entstehen. Damit steigt auch die Gefahr, dass Antibiotika zunehmend ihre Wirksamkeit verlieren. "Deswegen ist es besonders wichtig, dass Antibiotika nur dann eingenommen werden, wenn dies auch wirklich notwendig ist", sagt Steffi Suchant.

Besonders deutlich wird der Rückgang der Antibiotika-Verordnungen bei Erkältungen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019: Die Zahl der Verschreibungen sank von 22,9 Prozent um knapp sieben Prozentpunkte. 

Seit Beginn der Corona-Pandemie ging auch die Zahl der Erkältungskrankheiten insgesamt zurück. Ein Grund dafür: Viele Menschen hielten sich an die Hygieneregeln.

Hinweis für die Redaktion

Die Daten stammen aus dem TK-Gesundheitsreport 2021. Für den Report wurden unter anderem die Arzneimittelverordnungen Grundlage der 5,4 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren ausgewertet. Davon stammen rund 64.000 aus Sachsen-Anhalt. Zu den Erwerbspersonen zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sowie Empfänger des Arbeitslosengeldes I.