Kiel, 11. Juni 2021. Immer weniger Menschen in Schleswig-Holstein bekommen bei Erkältungen ein Antibiotikum verschrieben. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Arzneimittelverordnungen der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach haben im vergangenen Jahr die Ärztinnen und Ärzte im nördlichsten Bundesland nur noch jeder achten Person, die wegen einer Erkältung krankgeschrieben war, ein Antibiotikum verschrieben (12,4 Prozent). Zum Vergleich: 2014 war es noch mehr als jeder bzw. jede Vierte (28,3 Prozent), der bzw. die ein entsprechendes Präparat verordnet bekam.

"Unsere Zahlen zeigen einen deutlichen Rückgang der Antibiotikaverordnungen von mehr als 50 Prozent in sechs Jahren. Das ist schon enorm und ein gutes Signal. Denn die Ärztinnen und Ärzte im Land gehen äußerst sensibel mit dem Thema um - genauso wie die Patientinnen und Patienten", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Natürlich habe auch die Einhaltung der strengen Hygienevorschriften generell zu weniger Infektionskrankheiten geführt, betont der Landeschef. Doch bei der aktuellen Auswertung habe man sich das Verhältnis von Krankmeldungen bei Erkältungen und Antibiotikaverordnungen angeschaut. 

Schleswig-Holstein liegt unter dem Bundesdurchschnitt

Vergleicht man mit den deutschlandweiten Daten, liegt Schleswig-Holstein noch mal 1,9 Prozentpunkte unter dem Bundesschnitt. Doch auch hier wird der Abwärtstrend deutlich. Mit 14,3 Prozent waren es im Jahr 2020 bundesweit in zehn Jahren 60 Prozent weniger.

Resistenzen gegenüber Antibiotika

Der falsche Umgang mit Antibiotika kann dazu führen, dass immer mehr Bakterien resistent werden und sich die Krankheitserreger nicht mehr mit den üblichen Maßnahmen abtöten lassen. Außerdem: Gegen Viren sind Antibiotika generell machtlos. Die meisten Erkältungsinfekte mit klassischen Symptomen wie Schnupfen oder Husten werden aber durch Viren hervorgerufen. Es gilt: Antibiotika sollten nur dann eingenommen werden, wenn es zwingend notwendig ist.

Hinweis für die Redaktion

Die Daten stammen aus dem Gesundheitsreport 2021 der TK, der am 23. Juni veröffentlicht wird. Für den Gesundheitsreport wurden unter anderem die  Arzneimittelverordnungen der mehr als fünf Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen neben den Erwerbstätigen auch die Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Im Portal Presse und Politik stehen auch Grafiken zum Thema zur Verfügung, auf dem Blog Wir Techniker gibt es außerdem ein Interview zu Antibiotika bei Erkältungen.