Bremen, 9. November 2018. Nur knapp jeder sechste TK-Versicherte mit Alzheimer-Demenz wird hierzulande wie empfohlen mit einem Antidementivum behandelt. Damit bildet Bremen bundesweit das Schlusslicht und liegt acht Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Die große Mehrheit der Betroffenen erhält lediglich Beruhigungsmittel wie Neuroleptika und Benzodiazepinen oder gar keine medikamentöse Therapie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) im Rahmen des TK-Innovationsreports 2018. Den Report zum Nutzen neuer Arzneimittel veröffentlicht die TK gemeinsam mit der Universität Bremen.

Leitlinien erklären die Quote nicht

"Medizinische Leitlinien erklären die hohe Verschreibungsquote von Beruhigungsmitteln nicht. Hier liegt der Verdacht nahe, dass demente Menschen eher ruhig gestellt werden, statt sie richtig zu behandeln“, erklärt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Bremen. "Gut, dass Bremen bereits erkannt hat,  dass wir die Versorgung von Menschen mit Demenz dringend verbessern müssen. Mit dem geschaffenen Geriatrie-Konzept werden notwendige Strukturen zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen beschrieben. Die Zahlen des TK-Innovationsreports sind deutlich. Das gemeinsame Landesgremium, welches Empfehlungen für alle Bereiche der sektorenübergreifenden Versorgung abgibt, muss sich künftig stärker auch mit der Qualität der Versorgung beschäftigen. Wichtig für die Patienten ist, dass Therapien leitliniengerecht umgesetzt werden."

Industrie hat sich zurückgezogen

Die derzeit verfügbaren Medikamente gegen Alzheimer-Demenz verlangsamen nur das Fortschreiten der Erkrankung, können sie also weder aufhalten noch heilen. Die Therapie der Erkrankung ist ein Zweig, aus dem sich die Industrie fast vollständig zurückgezogen hat. Seit Jahren gibt es keine neuen Zulassungen auf diesem Gebiet und die meisten Pharmaunternehmen haben ihre Forschung dazu vollständig eingestellt. Dabei ist die Alzheimer-Demenz nicht nur eine Herausforderung für jeden Betroffenen und seine Angehörigen, sondern auch für die gesamte Gesellschaft - gerade angesichts des demografischen Wandels. Denn mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken.