Hannover, 9. März 2022. Mehr als die Hälfte der Kleinkinder in Niedersachsen hat einen vollen Impfschutz. Wie aus dem neuen Report der Techniker Krankenkasse (TK) "Kinder und Arzneimittel" hervorgeht, haben 54,5 Prozent der im Jahr 2018 geborenen Kinder in ihren ersten beiden Lebensjahren alle 13 bis zu diesem Alter von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen erhalten. Damit übersteigt die Impfquote in Niedersachsen den bundesweiten Durchschnitt von 48,4 Prozent.

2,7 Prozent der 2018 geborenen Kinder in Niedersachsen haben in den ersten zwei Lebensjahren gar keine Impfungen erhalten. 42,8 Prozent sind teilweise geimpft, sie haben also mindestens eine von der STIKO empfohlene Impfung oder eine Teilimpfung nicht erhalten. "Nur bei vollständiger Impfung ist die Immunisierung der Kinder auch wirklich gesichert und der Schutz vor schweren Erkrankungen gegeben. Ausgelassene Impfungen sollten daher zügig nachgeholt werden", sagt Dirk Engelmann, Leiter der TK-Landesvertretung Niedersachsen.

Trotz Corona: Tendenz positiv

Eine positive Entwicklung lässt sich bereits bei den im ersten Halbjahr 2019 geborenen Kindern erkennen. Die Zahl der vollständig geimpften Kleinkinder stieg auf 58,1 Prozent. Der Anteil an Ungeimpften sank auf 2,5 Prozent. "Es ist wirklich erfreulich, dass der Anteil ungeimpfter Kinder zurückgeht und die Coronapandemie keinen negativen Effekt auf die Impfquote hatte", so Engelmann. Für den Jahrgang 2019 liegen aktuell wegen des mehrmonatigen Verzugs, mit dem Abrechnungsdaten die Krankenkassen erreichen, nur die Daten der im ersten Halbjahr geborenen Kinder vollständig vor. 

Auffällig ist die Entwicklung bei der Masernimpfung: Bei 2016 geborenen Kindern waren noch 6,9 Prozent ungeimpft, bei den 2018 geborenen Kindern nur noch 5 Prozent. Bei den im ersten Halbjahr 2019 Geborenen sind es sogar nur noch 4 Prozent. Hier könnte die seit März 2020 geltende Impflicht für Kindergarten- und Schulkinder und die damit einhergehenden Debatte Einfluss genommen haben.

Zahl der Verschreibungen von Psychopharmaka nimmt zu

Der TK-Report "Kinder und Arzneimittel" zeigt außerdem, dass bundesweit die Zahl der Verschreibungen von Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen zunimmt. Am häufigsten werden Mittel zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS) verordnet. Im Vergleich zu den Mädchen bekommen in Niedersachsen Jungen mehr als dreimal so häufig ADHS-Mittel verordnet. 2020 waren es in Niedersachsen 4,1 Prozent der sechs-bis elf-jährigen und 4,8 Prozent der zwölf- bis 17-jährigen Jungen.

Ein umgekehrtes Bild zeigt sich bei Depressionen. Bei zwölf- bis 17-jährigen Mädchen ist die Verschreibung von Antidepressiva doppelt so hoch wie bei Jungen im gleichen Alter. Der Anteil der Verordnungen nimmt außerdem insgesamt zu. 2017 lag der Anteil der Verordnungen für Mädchen noch bei 1,1 Prozent. 2020 waren es dann schon 1,4 Prozent. "Die Auswertungen zeigen auf, dass die Verordnungen an Psychopharmaka zunehmen. Diese Entwicklung, müssen wir aufmerksam beobachten. Wichtig ist, dass die Medikamente sorgsam verwendet werden und der Einsatz gemeinsam von Ärztinnen und Ärzten, Eltern und den Kindern bzw. Jugendlichen abgewogen wird", so Engelmann.

Hinweis für die Redaktion

Für die Auswertung der Impfraten wurden die 2016, 2017, 2018 und im ersten Halbjahr 2019 geborenen und durchgängig bei der TK versicherten Kinder in Hamburg in Bezug auf die 13 von der STIKO empfohlenen Impfungen untersucht. Dabei wurden die ersten neun Lebensquartale betrachtet.

Den vollständigen  Report "Kinder und Arzneimittel" sowie weitere Informationen und Infografiken gibt es auf dem Presseportal der TK sowie auf dem Blog Wir Techniker.