München, 28. April 2022. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigen seit Jahren und nähern sich rasant der 300 Milliarden-Euro-Marke pro Jahr. Stabilität für das laufende Jahr brachte ein ergänzender Bundeszuschuss von 14 Milliarden Euro. Aber schon für 2023 rechnet der GKV-Spitzenverband mit einem Defizit von 17 Milliarden Euro. "Ein Hauptausgabentreiber ist der Arzneimittelbereich. Hier stiegen die GKV-Ausgaben innerhalb von zehn Jahren um rund 18 Milliarden Euro auf knapp 47 Milliarden Euro im Jahr 2021", sagt Tim Steimle, Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der Techniker Krankenkasse (TK). Er schlägt deshalb kurzfristige Maßnahmen vor, um die Kosten in den Griff zu bekommen.

Allein in Bayern kurzfristig 1,4 Milliarden Euro jährlich an Einsparungen realisierbar

Mit der Formel ‘Mehrwertsteuer runter, Herstellerrabatt rauf’ sieht der TK-Arzneiexperte kurzfristig allein in Bayern für die gesetzliche Krankenversicherung ein Einsparpotenzial von rund 1,4 Milliarden Euro im Jahr. Bundesweit wären es sogar über neun Milliarden Euro jährlich. "Es ist unverständlich, warum für lebenswichtige Arzneimittel kein ermäßigter Mehrwertsteuersatz gilt, für Grundnahrungsmittel und kulturelle Leistungen hingegen schon. Bei patentgeschützten Arzneimitteln, die sehr hohe Kosten für die Versichertengemeinschaft verursachen, sollten außerdem für einen begrenzten Zeitraum die Herstellerabschläge erhöht werden", so Steimle. Sofern der politische Wille da wäre, könnten beide Maßnahmen noch in diesem Jahr realisiert werden.

Weitere Ansätze, um auch langfristig die Kosten in den Griff zu bekommen, erläutert Tim Steimle im  Interview .