Erfurt, 11. Mai 2022. Rein statistisch gesehen erhielt 2021 jede gesetzlich versicherte Person in Thüringen 11,2 Arzneimittel-Verordnungen, 4,7 Prozent weniger als 2020. Die verordneten definierten Tagesdosen sanken um 3 Prozent auf 719. Das berichtet die Techniker Krankenkasse (TK) in Erfurt und beruft sich auf aktuelle Daten des GKV-Spitzenverbandes.

Gleichzeitig stieg der Arzneimittel-Bruttoumsatz gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent. Gesetzlich versicherte Thüringerinnen und Thüringer bekamen im Jahr 2021 Medikamente im Wert von rund 1,6 Milliarden Euro verordnet. 

Statistisch gesehen belief sich der Wert der Arzneimittelverordnungen im Freistaat auf 794,63 Euro pro Person. Damit nimmt Thüringen erneut einen der vorderen Plätze im Länderranking ein. Im Bundesdurchschnitt wurden Arzneimittel im Wert von 716,35 Euro je Versicherte bzw. Versicherter verordnet.

"Trotz gesunkener Verordnungsmengen nahm der Umsatz bei Arzneimitteln weiter zu, wenn auch nur leicht", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. "Im Fünfjahresvergleich wird der Trend noch deutlicher: 2016 wurden jedem Thüringer und jeder Thüringerin Arzneimittel im Wert von 693 Euro verordnet. Vergangenes Jahr lag der Wert 15 Prozent höher. Besonders aufgrund der absehbar schwierigen finanziellen Lage der gesetzlichen Krankenversicherung sollten auch im Arzneimittelbereich Einsparmöglichkeiten realisiert werden."

272 Millionen Euro Einsparungen für GKV in Thüringen möglich

Im ersten Jahr nach Markteinführung können Hersteller den Preis für Arzneimittel selbst festlegen. Erst danach gilt der Preis, der zwischen den Arzneimittelherstellen und dem GKV-Spitzenverband ausgehandelt wurde. Der Großteil der Kostensteigerung bei Medikamenten ist auf neu auf den Markt kommende, patentgeschützte Medikamente zurückzuführen.

"Die Preisbildung für diese Arzneimittel muss sich dringend ändern. Es kann nicht sein, dass die Hersteller völlig intransparent einen Preis festlegen können, der sich nicht an den tatsächlichen Forschungskosten und am tatsächlichen Nutzen orientiert. Wir brauchen langfristig objektive Kriterien für die Preisbildung", sagt Dressel.

Dass sehr viele dieser neu eingeführten Arzneimittel keinen echten Zusatznutzen bieten, zeigt unter anderem der jährlich publizierte Innovationsreport der TK.

"Bis das AMNOG, das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz, reformiert ist, brauchen wir kurzfristige Maßnahmen, um die überdurchschnittlich steigenden Kosten zu reduzieren. Besonders wirksam wären ein ermäßigter Umsatzsteuersatz von sieben Prozent für alle Arzneimittel und eine zeitlich begrenzte Erhöhung der sogenannten Herstellerabschläge für patentgeschützte Arzneimittel von sieben auf 25 Prozent. Allein mit diesen beiden Maßnahmen könnte die gesetzliche Krankenversicherung in Thüringen jährlich knapp 272 Millionen Euro sparen."

Hinweis für die Redaktion

Die Statistik, auf die sich die TK bezieht, findet sich unter www.gkv-gamsi.de und wird jährlich vom GKV-Spitzenverband veröffentlicht.

Die Anzahl der Medikamentenverordnungen entspricht im Fertigarzneimittelmarkt der Anzahl der entsprechenden Packungen. Eine definierte Tagesdosis (DDD = "Defined Daily Dose") bezeichnet die nach pharmakologischen Kriterien festgelegte Substanzmenge, die zur Behandlung eines Patienten oder einer Patientin mit einem Präparat unter üblichen Umständen für einen Tag ausreicht.