In Berlin sind bis August 2018 insgesamt 136 Cannabis-Verordnungen auf 100.000 TK-Versicherte ausgestellt worden. Damit gehört die Hauptstadt zu den sechs Bundesländern mit dem höchsten Anteil an Verordnungen. In Brandenburg wurde für medizinisches Cannabis 79-mal je 100.000 Versicherte ein Rezept ausgestellt.


Cannabis ist sowohl in der Verordnungshäufigkeit als auch im Kostenvolumen kein außergewöhnlich auffälliges Medikament. Unter den zehn Millionen TK-Versicherten in Deutschland gab es bislang gerade einmal 2.900 Anträge. Im Vergleich zu anderen Arzneimitteln waren auch die Kosten für Cannabis im ersten Jahr mit 2,3 Millionen Euro gering. Mit einer Quote von 64 Prozent wurde die Mehrzahl der Anträge von TK-Versicherten auf medizinisches Cannabis genehmigt.

Unzureichende Studienlage

Die Studienlage zu Cannabis als Medizin ist jedoch bislang lückenhaft. Deutlich wird im Cannabis-Report, dass unklar ist, welchen Patientengruppen Cannabis in welcher Dosis hilft und in welcher Form es am besten verabreicht werden sollte. Weder die mangelnde Evidenz noch die Nebenwirkungen der Therapie werden bisher in der Öffentlichkeit ausreichend thematisiert.

Dennoch ist grundsätzlich zu begrüßen, dass es eine weitere Therapiealternative gibt, um schwerkranken Versicherten zu helfen. Doch die Möglichkeiten und Grenzen von Cannabis als Medikament sollten weiter erforscht werden. Mit dem Cannabis-Report will die TK zusätzlich Mythen aus der Welt schaffen und die Debatte rund um das Thema versachlichen.


Bei den Formen zur Verabreichung zeigt sich ein klarer Vorteil für Dronabinol - einem Öl mit teilsynthetischem THC - gegenüber Cannabisblüten. Dronabinol ist über Tropfen oder Kapseln vergleichsweise einfach einzunehmen und weniger schwankend beim Wirkstoffgehalt als Cannabisblüten. Hinzu kommt der Aspekt der Wirtschaftlichkeit: Eine Therapie mit Cannabisblüten ist im Gegensatz zu Dronabinol etwa 400 Prozent teurer.

Umfrage zeigt Zustimmung

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der TK hat ergeben: Nahezu zwei Drittel (60 Prozent) der Berliner und Brandenburger halten Cannabis aufgrund seines pflanzlichen Charakters für ein gutes Medikament. Gleichzeitig befürchten ebenfalls zwei Drittel (63 Prozent), dass Cannabis süchtig machen könnte.

Die Hälfte der befragten Berliner und Brandenburger vermutet weniger Nebenwirkungen bei Cannabis als bei anderen Medikamenten. Generell befürworten neun von zehn Berlinern und Brandenburgern (91 Prozent) die Verschreibung von medizinischem Cannabis bei bestimmten schwerwiegenden Krankheitsbildern.

Hinweis zur Forsa-Umfrage

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Vorfeld des Reports im Auftrag der TK bevölkerungsrepräsentativ 1.007 Erwachsene in Deutschland zum Thema Cannabis als Medizin befragt. Die Umfrage wurde im April 2018 durchgeführt.