Hamburg, 15. Februar 2021. Über die Umsetzung der Impfverordnung für die Priorisierung der Corona-Impfungen wird seit Wochen diskutiert. Eine zentrale Herausforderung ist dabei, wie Personen der Gruppen 2 und 3 identifiziert werden können, die aufgrund vorliegender Erkrankungen in die jeweilige Gruppe fallen. Aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) könnten die gesetzlichen Krankenkassen hier grundsätzlich einen sinnvollen Beitrag leisten, da bei ihnen Daten sowohl aus dem ambulanten als auch aus dem stationären Bereich zusammenfließen und besonderem Schutz unterliegen. 

Problematisch ist allerdings der enorme zeitliche Verzug von teilweise mehr als sechs Monaten, mit dem die Daten aus den ambulanten Praxen eintreffen - eine Folge von historisch gewachsenen quartalsbezogenen Abrechnungsprozessen. So könnten aktuell Kassendaten bei der Umsetzung der Verordnung nur als Ergänzung der ärztlichen Feststellung einer vorliegenden Erkrankung dienen, um Menschen mit relativ frischen Diagnosen nicht zu benachteiligen. Für die Zukunft muss diese Schwächung der Datenqualität aus TK-Sicht jedoch dringend behoben werden. Die TK setzt sich bereits seit Jahren dafür ein, dass die Gesundheitsdaten - auch aus dem ambulanten Bereich - in guter Qualität und tagesaktuell zur Verfügung stehen, um die Versorgung zu verbessern. Zudem bedarf es einer klaren Rechtsgrundlage, wenn die Krankenkassen die betroffenen Versicherten in den ihnen vorliegenden Daten identifizieren und anschreiben sollen.

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Durch die Impfdiskussion wird eine schon lange bestehende Schwachstelle im System deutlich: der enorme Verzug bei ambulanten Daten. Das führte teilweise dazu, dass wir in Deutschland erst aussagekräftige Daten über die erste Welle der Corona-Pandemie hatten, als die zweite längst begonnen hatte. Diese Schwachstelle müssen wir beheben, nicht nur mit Blick auf die aktuelle Situation. Dass Daten auch aus Praxen in Echtzeit vorliegen, ist Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem im 21. Jahrhundert. Hierfür müssen wir auch die Chancen der Digitalisierung nutzen und diese Entwicklung konsequent weiter vorantreiben."

Hinweis für die Redaktion

Laut aktueller Impfverordnung gehören zu Gruppe 2 "Schutzimpfungen mit hoher Priorität" neben Menschen ab 70 Jahren auch Personen mit Trisomie 21, Demenz, bestimmte Diabetiker sowie Menschen mit schweren Lungenschäden. Zu Gruppe 3 "Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität" gehören neben Menschen ab 60 Jahren unter anderem auch Personen mit bestimmten Krebserkrankungen, bestimmte Diabetiker sowie bestimmte Menschen mit Adipositas.